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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

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von Anthologien

Verlag: Steingrüben Verlag | Jahr: 1951

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Kapitel 162

Der Spielmannssohn

Volkslied

Als ich ein kleiner Knabe war,
Da lag ich in der Wiegen,
Als ich ein wenig größer war,
Ging ich auf freier Straßen.

Da begegnet' mir des Königs Töchterlein,
Ging auch auf freier Straßen:
»Komm herein, komm herein, kleiner Spielmannssohn,
Spiel mir eine kleine Weise!«

Es währte kaum eine Viertelstund,
Der König kam gegangen:
»Du Schelm, du Dieb, kleiner Spielmannssohn!
Am Galgen sollst du hangen.«

Es währte kaum drei Tage lang,
Die Leiter mußt ich steigen:
»Ach, gebt mir meine Geige her,
Ich will ein wenig drauf streichen.«

Ich strich wohl hin, ich strich wohl her,
Ich strich auf allen vier Saiten,
Ich spielt einen hübschen Totengesang,
Der König fing an zu weinen:

»Komm herunter, komm herunter, kleiner Spielmannssohn,
Meine Tochter soll dir werden.
In Österreich ist ein Schloß gebaut.
Da sollst du König werden.«