Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
MeistgelesenVerlag: Steingrüben Verlag | Jahr: 1951
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Die Kindsmörderin
Volkslied
Es hütet ein Schäfer wohl an dem Rhein,
Er hört ein kleines Kindlein schrein.
»Ich hör dich wohl, ich seh dich nicht,
Ich hör, daß du ein Kindlein bist.«
»Ich bin im hohlen Baum versteckt,
Mit Dorn und Disteln zugedeckt.
Ach Schäfer, lieber Schäfer mein,
Ach nimm mich mit ins Dorf hinein!
Nimm du mich mit ins Hochzeithaus,
Wo meine Mutter ist die Braut.«
Und wie das Kind zur Tür nein kam,
Da fing es bald zu reden an:
»Grüß Gott, grüß Gott, ihr Hochzeitgäst!
Meine Mutter sitzt dort im Winkel fest.«
»Wie könnt ich deine Mutter sein?
Ich trage von Raut ein Kränzelein.«
»Trägst du von Raut ein Kränzelein,
Du hast geboren drei Knäbelein.
Das eine hast du in Mist vergrabn,
Das andre in das Wasser getragn.
Mich hast du in hohlen Baum gesteckt,
Mit Dorn und Disteln zugedeckt.«
»Ja, wenn dies in der Wahrheit wär,
So wollt ich, daß der Satan käm!«
Das Wort war kaum aus ihrem Mund,
Der Satan in der Türe stund.
Er bat gar bald die Braut sich aus,
Er flog mit ihr zum Fenster hinaus:
Er faßt sie bei der linken Hand
Und führt sie in den höllischen Tanz.
»Behüt euch Gott, ihr Hochzeitgäst,
Und haltet eure Kinder fest!«