Gesammelte Gedichte
MeistgelesenVerlag: Charonverlag | Jahr: 1925
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Der Stückwahn und die Unio
Der Stückwahn und die Unio –
Als wären wir doch nicht uns
Sondern Stücken von der Welt,
Von Gott, oder Gott als die Welt
Wäre nur das einzig Wirkliche,
Wie können wir ein Etwas sein
Eines, den wir nicht sind?
Aber wir alle, alle wären dieser Eine –
Ja. Aber dann wäre keiner sich.
Also wäre auch nie, nie, nie
Der, den wir alle, alle zu sein hofften.
Die Mystik ahnte dies –
»Ohne mich ist Gott ein Nichts«.
Ich saget ohne mich
Ist Allerseelen je und je
In ratlosester Verlassenheit,
So ich, wenn Allerseelen
Nicht wäre reziprok mit mir.
Ganz tief ertastet ihr,
Erahnt, erfahrt ihr,
Daß alle echte Frömmigkeit
Durchschwimmen wollte
Ihr horizontloses Meer.
Geduld – Geduld –
Du mußt herauftauchen,
Aber aus der Tiefe heben
Ein dem Wachsein näheres
Erkennen und erweiteten
Horizont: die Mühe und die Möglichkeit.
GUETE »weiß«,
Daß nie das Böse »wirklich« ist –
Der Stückwahn zerbricht dann lautlos.