Gesammelte Gedichte
MeistgelesenVerlag: Charonverlag | Jahr: 1925
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Schuld ist doch nicht einsam
Schuld ist doch nicht einsam.
Wie entrönnen wir!?
Schuld holt uns ein,
Daß wir zu zwein
Stehn Aug in Aug –
Lauf dann nicht fort!
Du findest keinen Ort
Einsam genug.
Dies ist Erlösung:
Einmal kommt
Alles zurück.
Da trägt auf seinem Rücken
(Wem du schuldig wardst)
Was dir gehört und giebts dir,
Daß du es nimmst.
Ist dies schwer?
Ja. Aber es kommt auch
Der, dem das gehört,
Was er dir tat.
Denn es kommt Schicksal.
Nun gehn wir alle,
Zu holen Moiras Spruch.
Was sagt Moira?
»Geschehn ist Tat.
Tat ist Schuld.
Aber Geduld
Ist unendlich wie die Tat«.
Was sagt Moira?
»Gott ist jenseits.
Diesseits ist Gottes Müh und Möglichkeit.«
So wollen wir eins sein,
Mensch, Müh, und Moira;
So soll Gott uns fern sein
Und winken, ein Stern sein,
Liebe und große Geduld,
Und Herzens der Menschen unaushebbare Huld
Soll höher, heiliger
Hinauf uns tragen.
So wollen wir fragen:
Wo ist die Seele (komm!)
Deren Schuld
Wir nehmen. So wollen wir fromm
Tun, und ganz geduldig wissen:
Geschehn ist nicht ohne uns,
Denn wir sind Schicksal
In Gottes Geschehn.
So soll auf Erden und im Jenseits sein;
Unsre Müh und Gottes Möglichkeit.