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Gesammelte Gedichte

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von Otto zur Linde

Verlag: Charonverlag | Jahr: 1925

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Kapitel 73

Alles Wissen wollen

Alles wissen wollen ist zu eng und ängstlich,
Machst die Welt zu klein und deine Furcht zu groß.
Welt ein Haus, durch alle Kammern rennst du, zwängst dich
In die Kellerfenster, oder legst dich platt aufs Dach.
Oben liegt das Haus nach unten, und im Keller stehts auf deinem Schooß.

Gehst du allen Treppen nach,
Aufwärts, abwärts, was hast du gefunden?
Tür und Fenster führn hinein, heraus,
Straßen liegen um das Weltenhaus.

Willst du wohnen, ist die Welt so weit;
Geiz mit Raum nicht, laß dir Zeit;
Alle Möbel stellst du doch nicht, bis du ausziehst.
Willst du wandern, bleibt das Haus dir stehn;
Kannst auf so viel Straßen um dich sehn.
Sei nicht ängstlich, ob du etwas fern von deinem Haus bist.

Denn im allergrößten Haus »Unendlichkeit«
Ist noch Platz genug, brauchst kein Logis bestellen –
Wandere bei Tag, es wird die Nacht erhellen
Ein gastlich Licht; kehr ein, und bleib, und laß dir Zeit.