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Gesammelte Gedichte

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von Otto zur Linde

Verlag: Charonverlag | Jahr: 1925

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Kapitel 63

Wir müssen die Unendlichkeit

Wir müssen die Unendlichkeit
Im Inneren erleben.
Wohl ihre Wirklichkeit ist weit
Noch, aber Wirksamkeit ist ihr gegeben,

Schon wann ihr Ahnen in uns erst
Die leisen Schwingen regt, und wann
Wir fliegen lernen einem Immerwärts
Und Allerwo entgegen. Dann

Fällt von uns ab der Schreck des Todes,
Ist nicht Vernichtung mehr, auch nicht ein Drüben
Als Erdverneinung, auch nicht Zuckerrüben

Des Lohns, aus denen wir inbrünstig pressen
Syrup der Seelen; auch nicht Opium,
Der Qual des Hierseins zu vergessen.
Dies war bisherger Tröstung doch verdächtges Odium.

Gewiß ist Alles, Alles nochmal zu bedenken
An Trost und Forschung heilger Mühgottsmenschenhirne –
Wir wolln nicht Adeltum und frommes Finden frech verschenken,
Als wärns altmodische Gedankenmöbel hinter unsrer Stirne.