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Gesammelte Gedichte

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von Otto zur Linde

Verlag: Charonverlag | Jahr: 1925

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Kapitel 18

Wo ist das Jauchzen der Schlachten

Wo ist das Jauchzen der Schlachten,
Wo schlagen die Herzen hoch?
Was mir die Echos brachten,
Ist matt und flattert nur noch.

Ich höre die hohlen Worte,
Ich lese bedrucktes Papier;
Ich sehe Menschen und Orte –
Mein Herz schrickt, mein Auge blickt stier.

Ich sehe verwundete Krieger
Und höre ihr Schwatzen am Tisch.
Oh das, oh das ... unsre Sieger?
Und doch – – noch ihre Narben frisch.

So konnten nicht Not, Tod und Wunden
Euch reißen aus blödestem Sumpf!
Sind eure sonntäglichen Stunden
So öde, so alltags, so stumpf?

Nur das ... euer schwatzend Verdauen
Ist nicht so aufgebläht
Vom Wortewiederkauen –
Es ist, als habe gemäht

Der Tod auf der Phrasenwiese
Erbarmungslos das Gras –
Wir stopften Begeistrungsgemüse
Wie Sauerkraut ins Faß.

Dran habt ihr euch über gegessen,
Und die Worte mähte euch der Tod,
Der beim Mähen das Säen vergessen –
So vergaß auch euch die Heilige Not.

Wir andern aber, wir finden
Noch Worte (der Sense verschont)
Woraus wir Siegeskränze winden
Tausend Kilometer hinter der Front.