Gesammelte Gedichte
MeistgelesenVerlag: Charonverlag | Jahr: 1925
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Sonnenschein und Blütenbaum
Sonnenschein und Blütenbaum,
Frühling kam, und Winter starb.
Wann erwacht aus bösem Traum
Volk und Welt? Der Krieg verdarb
Völker, Länder; Leichenfeld
Grenzt an Gräben, die voll Blut.
Blüht jetzt irgend in der Welt
Eine Palme? Balsam gut?
Ach ich mag das Blühn nicht sehn,
Kirsch und Flieder, Mandelzweige.
Welt ist viel zu wunderschön –
Tod spielt traurig seine Geige.
Oh die Amsel flötet süß,
Nachtigall und Sprosser sprühn
Tonfontänen. Paradies,
Darfst du zwischen Höllen blühn?
Und ich schloß die Tür zum Garten
Und ging traurig in mein Haus.
Muß ich über Winter warten,
Bis der Hölle Glut lischt aus?
Herbst und Winter, Frühling, Herbst,
Krieg! Und Winter. Oh der Frieden!
Wenn du wieder Blätter färbst,
Dritter Herbst, ists dann beschieden?