Friedrichs von Logau Sinngedicht
Verlag: Weidmannischen Buchhandlung | Jahr: 1759
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Fünftes Buch.
Sinngedichte.
(1)
Von meinen Reimen.
Leser, daß du nicht gedenkst, daß ich in der Reimenschmiede |
(2)
Ein Weltverständiger.
Tapfre Männer sollen haben was vom Fuchse, was vom Leuen, |
(3)
Fürstenbefehle.
Sachen, die bequemlich sind, wollen Herren selbst befehlen, |
(4)
Der Sieg.
Wer durch das Eisen siegt, hat ritterlich gesiegt; |
(5)
Die Hofkassandra.
Was Kassandra prophezeihte, |
(6)
Zweifelhafte Keuschheit.
Ein Biederweib im Angesicht, ein Schandsack in der Haut |
(7)
Menschliche Thorheit.
Oefters denk ich bey mir nach was die Menschen doch für Thoren, |
(8)
Spötter.
Wer andrer Leute hönisch lacht, |
(9)
An die Schweden.
Alles Unschlitt von dem Vieh, das ihr raubtet durch das Land, |
(10)
Menschliche Jrrthümer.
Daß ich irre bleibt gewiß, alldieweil ein Mensch ich bin; |
(11)
Auf den Edo.
Edo sammelt allen Schatz, was er zu und ein kann tragen, |
(12)
Süßbittres.
Jn einem Weiberrocke, |
(13)
Verdorbene Kaufmannschaft.
Bey dem Bäcker kaufen Korn, bey dem Schmiede kaufen Kohlen, |
(14)
Träume.
Die Träume sind wohl werth, daß man sie manchmal achte: |
(15)
Auf den Runcus.
Runcus ist ein Edelmann, |
(16)
Diebesstrick.
Der Strick, daran ein Dieb erhieng, hilft für des Hauptes Weh, |
(17)
Verleumder.
Wer Verleumdung hört, ist ein Feuereisen, |
(18)
Auf die Varna.
Von Trost steckt Varna voll. Jhr Mann ist jüngst gestorben, |
(19)
Die Ostsee, oder das Baltische Meer.
Alle Flüsse gehn ins Meer, |
(20)
Die Falschheit.
Höflichkeit verlor den Rock, Falschheit hat ihn angezogen; |
(21)
Auf die Nivula.
Nivula ist wie der Schnee, |
(22)
Gerechtigkeit.
Jn einer hat das Schwerdt, in andrer hat die Schalen |
(23)
Erbarmung und Barmherzigkeit.
Eines andern Pein empfinden, heißet nicht barmherzig seyn; |
(24)
Ein Kriegeshund redet von sich selbst.
Hunde, die das Vieh behüten, |
(25)
Auf den Schliffel.
Schliffel hat zwar eine Seele; aber was ist solche nütze? — |
(26)
Auf den Veit.
Ey, siehst du nicht wie Veit vor Weibern sich verstecke? — |
(27)
Sicherheit.
Schiffer, die am Ruder sitzen, kehren da den Rücken hin, |
(28)
Preis der Tugend.
Der Tugend theure Waare wer sie für schätzbar hält, |
(29)
Die höchste Weisheit.
Gott, und sich, im Grunde kennen, |
(30)
Lebensregel.
Sey, wer du bist; laß jeden auch vor dir seyn, wer er ist; |
(31)
Hoffnung und Furcht.
Furcht und Hoffnung sind Gespielen: |
(32)
Ein redlicher Mann.
Sein Ruhm der kann bestehn, und sein Gerücht ist ächt, |
(33)
Kleider.
Pferde kennt man an den Haaren: |
(34)
Arzeneykunst.
Wer die Krankheit will verjagen muß den Kranken nur vertreiben; |
(35)
Zutritt bey hohen Häuptern.
Ohne Gaben soll man nie vor den großen Herren stehen; |
(36)
Ein Raethsel und seine Lösung.
Die Mutter frißt das Kind: |
(37)
Der säumige Mars.
Der Krieg geht langsam fort! — Die Pferde sind dahin; |
(38)
Reich und grob.
Wo der Geldsack ist daheim, ist die Kunst verreiset; |
(39)
Der Neidische.
Wie ich essen soll und trinken, wie ich mich bekleiden soll, |
(40)
Der Mittelweg.
Jn Gefahr und großer Noth |
(41)
Wittwen.
Wer sich an ein Schienbein stößt, der hat große kurze Schmerzen: |
(42)
Lohn für Dienst.
Treuer Dienst heischt seinen Lohn, |
(43)
Auf den Timax.
Timax war bey vielen Schlachten, dennoch ist er stets genesen; — |
(44)
Tüchtige Waaren.
Die Waaren, welche ganz voran |
(45)
Falschheit.
Mohren haben weiße Zähne, sind sonst schwarz fast aller Orten: |
(46)
Bücherlesen.
Wie die Honigmacherinnen |
(47)
Auf den Gulanus.
Weil Gulanus von dem Tode fort und fort Gedanken hat, |
(48)
Vom Gerast.
Gerast legt zur Gesellschaft sich Schelm' und Diebe bey; — |
(49)
Des Krieges Ungelegenheiten.
Krieg ist die allerschärfste Zucht, |
(50)
Kenne dich.
Kannst du dem, der vor dir geht, seine Mängel bald erblicken, |
(51)
Fürstliche persönliche Zusammenkunft.
Fürsten sollen sich nicht kennen |
(52)
Lebenssatt.
Canus ist zwar lebenssatt; eh der Magen sich soll schließen, |
(53)
Auf den Harpax.
Harpax haßte Müßiggehn; wollte ihm niemand was befehlen, |
(54)
Poeten und Maler.
Man pfleget mehr was Maler malen, |
(55)
Freye Zunge.
Wo das Reden nichts verfängt, hat das Schweigen beßre Statt; |
(56)
Hofleute.
Bey Hofe haben die den allergrößten Gold, |
(57)
Auf den Trepicordus.
Trepicordus soll sich raufen; will nicht kommen; denn er will |
(58)
Weiber.
Die nicht Weiber haben, |
(59)
Aenderung des Anschlages.
Zu Wasser muß nach Hause, wer nicht zu Lande kann; |
(60)
Des Mars Drechslerkunst.
Daß aus einem Bauern itzt |
(61)
Deutschland wider Deutschland.
Das Eisen zeugt ihm selbst den Rost, der es hernach verzehret; |
(62)
Lebenslauf.
Es mühet sich der Mensch, damit er was erwerbe, |
(63)
Fromm und unfromm.
Heuchler wächst in Einer Erde leichtlich nicht und Biedermann; |
(64)
Drey schädliche Dinge.
Spiel, Unzucht und der Wein, |
(65)
Sieg.
Wenn man Feinden obgesiegt, soll man Feinde so besiegen, |
(66)
Die lachende Wahrheit.
Siedend Wasser kann man stillen, |
(67)
Hofgunst.
Die Kinder lieben den, der nachgiebt ihrem Muthe, |
(68)
Das Unrecht der Zeit.
Was frag ich nach der Zeit? Wenn der mir nur will wohl, |
(69)
Die einfältige Redlichkeit.
Andre mögen schlau und witzig, |
(70)
Liebe und Wollust.
Wo die Lieb und Wollust buhlen, zeugen sie zuerst Vergnügen; |
(71)
Reichthum.
Reichthum soll man zwar nicht lieben, mag ihn, wenn er kömmt, doch fassen; |
(72)
Auf den Levulus.
Levulus hat keinen Kopf, sein Gesicht steht auf der Brust: |
(73)
Das Verhängniß.
Willst du dein Verhängnis trotzen: ey so wolle, was es will. |
(74)
Der Neid.
Dieses oder Jenes Neiden |
(75)
Winterlager.
Weiland hielten unter Häuten Krieger jeden Winter aus; |
(76)
Ein langsamer Tod.
Der ärgste Tod ist der, der gar zu langsam tödtet; |
(77)
Hoffart.
Hoffart heget nicht Vernunft. Wer aus Hoffart uns veracht, |
(78)
Vertriebene.
Wer Tugend hat und Kunst, wird nimmermehr vertrieben; |
(79)
Falschheit.
Die alte Welt hat ihren Witz in Fabeln uns berichtet. — |
(80)
Geschwister.
Wie kömmt es, daß Geschwister so selten einig lebt? — |
(81)
Das beste Band zwischen Obern und Untern.
Wenn Willigkeit im Leisten und Billigkeit im Heißen |
(82)
Hofwerkzeug.
Mäntel zum bedecken, |
(83)
Auf den Parcus.
Parcus hat sonst keine Tugend, aber gastfrey will er seyn: |
(84)
Auf den Pätus.
Pätus ist gar milder Art; hat er was, so giebt er auch: |
(85)
Die Zukunft Christi.
Christus hat durch erstes Kommen |
(86)
Arbeit und Fleiß.
Die Welt ist wie ein Kram, hat Waaren ganze Haufen; |
(87)
Auf einen Fresser.
Edo lobt und hält für Gut, |
(88)
Diana und Dione.
Der Diana sollte rufen Elsa, rufte der Dione; |
(89)
Wein.
Der Wein ist unser noch, wann ihn das Faß beschleußt; |
(90)
Auf den Phanus.
Phanus will mit Christus ärmlich in der Kripp im Stalle liegen, |
(91)
Lügen.
Willst du lügen, leug von Fern; |
(92)
Ein jedes Werk fordert einen ganzen Menschen.
Wer irgend was beginnt und täglich will beginnen, |
(93)
Auf den Cornutus.
Cornutus und sein Freund bestehn auf Einem Willen: |
(94)
An den Naso.
Naso, dir ist deine Nase statt der Sonnenuhr bereit, |
(95)
Auf den Thraso.
Thraso wagt sich in den Krieg: |
(96)
Schönheit.
Trau der Farbe nicht zu viel! Was Natur so schön gebildt, |
(97)
Eines Fürsten Amt.
Ein Fürst ist zwar ein Herr; doch herrscht er fromm und recht, |
(98)
Wollust.
Wer der Wollust sich verleihet, wird er nicht ums Hauptgut kommen, |
(99)
Gewissen.
Was niemand wissen soll, soll niemand auch begehen. |
(100)
Poeterey.
Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brodt ins Haus; |
(101)
Eifrige Geistliche.
Wie ein Ottomannisch Kaiser wollen Geistliche regieren, |
(102)
Aegyptische Dienstbarkeit.
Jakobs Stamm klagt alter Zeit |
(103)
Geizige Huren.
Wer Hund' und Huren will zu Freunden haben, |
(104)
Tischfreundschaft.
Vermeynst du wohl, daß der ein treues Herze sey, |
(105)
Auf den Veit.
Fünf Sinnen hat zwar Veit, doch sind ihm drey entlaufen, |
(106)
Eigenlob.
Doppelter, nicht einzler Mund |
(107)
Regierungskunst oder Weltkunst.
Die Weltkunst ist ein Meer: es sey Port oder Höhe, |
(108)
Auf den Schmeckel.
Schmeckel könnte wohl sein Laufen |
(109)
Geizhals.
Den Geizhals und ein fettes Schwein |
(110)
Auf den unbeständigen Volvulus.
Für dein Herz und für den Mond, Volvulus, dient gar kein Kleid; |
(111)
Nachfolge.
Ob zwar Maler ihre Farben bey dem Krämer nehmen, |
(112)
Von meinem Buche
Jst in meinem Buche was, das mir gaben andre Leute, |
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