Friedrichs von Logau Sinngedicht
Verlag: Weidmannischen Buchhandlung | Jahr: 1759
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Viertes Buch.
Sinngedichte.
(1)
Reimdichterey.
Wenn ich Reime wo geschrieben, |
(2)
Auf die Plausilla.
Plausilla trägt sich hoch, dieweil sie etwas schön. |
(3)
Auf den Klepax.
Klepax legt sich nie ungestohlen nieder; |
(4)
Gezwungene Soldaten.
Wer seufzend zeucht in Krieg, ist kein gar gut Soldat: |
(5)
Auf die Corinna.
Corinna hat den Mann zwey Jahr lang nicht gesehen; |
(6)
Trinkkunst.
Wer einen guten Trunk vermag, hat der denn einen Ruhm? |
(7)
Die Welt und der Kasten Noah.
Des Noah Wunderschiff' ist ähnlich unsre Welt, |
(8)
Jungfernthränen.
(9)
Hofhunde.
Heuchler und Hunde belecken die Teller; |
(10)
Das Schwerdt.
Ohn Ursach sollen wir nie zucken unsern Degen, |
(11)
Auf den Scävus.
Scävus wird mit Ewigkeit immer in die Wette leben: |
(12)
Rechtserlernung.
Wenn einer will das Recht studiren, |
(13)
Auf einen Hörnerträger.
Der Lieb ist nichts zu schwer, pflegt Corniger zu sagen: |
(14)
Der Mann des Weibes Haupt.
Der Mann ist seines Weibes Haupt. |
(15)
Degen und Schild.
Welch Waffen hat mehr Nutz, der Degen oder Schild? — |
(16)
Die Worte gelten, wie Geld.
Worte gelten in der Welt |
(17)
Auf die Flora.
Flora wünschet, daß ihr Mann sich mit einer andern paare. |
(18)
Gesundheit.
Wer am Leibe von Gebrechen, im Gemüth von Lüsten frey, |
(19)
Keuschheit.
Keuschheit ist ein Balsam, Weiber sind ein Glas: |
(20)
Von dem Gilvus.
Albinus saß voll Muth mit Singen und mit Lachen; |
(21)
Gewissenhafter Krieg.
Mars ist ein Gewissensmann, |
(22)
Auf den Furvus.
Furvus denkt sich groß zu bauen; legt den Grund von solchen Stücken, |
(23)
Einfalt und List.
Da Lamm und Fuchs nach Hofe kam, |
(24)
Fröhlicher Tod.
Es ist ein fröhlich Ding um aller Menschen Sterben: |
(25)
Vom Morus.
Morus war in hohen Ehren, wagte was er hatt' auf Ehr. |
(26)
Auf den Quadruncus.
Quadruncus sticht sehr oft gelehrte Männer an. |
(27)
Würde.
Der centnerschweren Bürde |
(28)
Auf die Prisca.
Prisca pflegt, nach alter Art, stillen Mundes stets zu seyn, |
(29)
Auf den Grittus.
Grittus sollte Hochzeit machen, und es kam was anders drein; |
(30)
Wer auf viel zu sehen, kanns leicht versehen.
Portia giebt Antwort drum, |
(31)
Täglicher Tod.
Weil ihr Priester, daß man täglich sterben solle, Lehren gebet, |
(32)
Die Pasiphae.
Freundinn des Ochsen, Pasiphae, höre, |
(33)
Ein unbescheidnes Weib.
Jn des Unglücks Rock hat sich der gekleidet, |
(34)
Jungferschaft.
Jungferschaft die ist ein Garten, Jungfern sind die Blumen drinnen; |
(35)
Auf den Udus.
Als Udus Morgens früh wollt' aus nach Weine gehen, |
(36)
Die schamhaftige Zeit.
Sie sey sonst wie sie will die Zeit, |
(37)
Auf den Brennus.
Brennus dienet seinem Herrn, hat ihm selbsten zu befehlen; |
(38)
Weiberhüter.
Ohne Noth wird die bewacht, |
(39)
Aerzte und Poeten.
Dich, Apollo, ruft der Arzt, dich, Apollo, ruft der Dichter; |
(40)
Auf den Varill.
Jn Klugheit ist er Narr, in Narrheit ist er klug: |
(41)
Die Lügen.
Daß mehr als Hurerey |
(42)
Verständiger Krieg.
Um klug und wirthlich Volk scheint Mars sich zu bemühen: |
(43)
Auf den Brutus.
Brutus zog mit vollem Beutel, daß er Wissenschaften lerne; |
(44)
Verleumder.
Die Mücken singen erst, bevor sie einen stechen; |
(45)
Auf die männliche Virosa.
Wie daß Virosa denn noch keinen haben kann? — |
(46)
Achtmonathliche Geburt.
Jm achten Monden bracht ein Kind Sirona; und die Leute zählen? |
(47)
Auf den Trullus.
Trullus zeucht sich aus dem Kriege, will nicht länger Wache stehn; |
(48)
Auf den Picus.
Picus nahm die dritte Frau, immer eine von den Alten: |
(49)
Auf den Futlus.
Futlus soll mit seinem Feinde, wie man sagt, den Degen messen; |
(50)
Ein Trost.
Eine Fürstinn starbe noch in bester Jugend, |
(51)
Ein Rath wie der Feind zu schlagen.
Wien hat den Feind aufs Haupt geschlagen; |
(52)
Auf den Vanus.
Vanus wird zu schön gestraft, der es doch zu grob verschuldet: |
(53)
Des Bardus Traum.
Bardus träumt, er wär ein Pfarr, |
(54)
Auf die Casca.
Casca ist so teuflisch bös', und ihr Mann spricht doch: mein Schatz? |
(55)
Hans und Grete.
Hansen dienet keine Magd, |
(56)
An das Frauenvolk.
Lieben Weiber, laßt mir zu, daß ich sag, ihr seid wie Nüsse; |
(57)
Die Thais.
Thais sagt, daß ihres Liebsten Bildniß sie im Herzen trage; |
(58)
Weiberschmuck.
Der Schmuck der zarten Frauen steht nicht im Haare flechten. |
(59)
Auf den Porus.
Porus setzt für gute Freunde mancherley Gesundheit ein, |
(60)
Auf Simpeln.
Simpel ist des Weibes Weib, |
(61)
Hofleute.
Der zu Hause sog die Klauen, will bey Hofe weidlich prassen; |
(62)
Franzosenfolge.
Narrenkappen samt den Schellen, wenn ich ein Franzose wär, |
(63)
Die tapfere Wahrheit.
Ein tapfrer Heldenmuth ist besser nicht zu kennen, |
(64)
Hofdiener.
Des Fürsten Diener sind also, wie sie der Herr will haben. |
(65)
Von dem Pravus.
Es schrieb ihm Pravus an sein Haus: |
(66)
Auf den Spurcus.
Spurcus schenket guten Freunden; merkts ihr Freunde! wie ein Schwein, |
(67)
Auf den Gurges.
Gurges, dein beweglich Gut sah man längst sich wegbewegen; |
(68)
Auf den Lügner Lullus.
Wie gut wär Lullus doch zu einem Brillenglas! |
(69)
Unverhofft, kömmt oft.
Es kömmt oft über Nacht was sonst kaum kam aufs Jahr; |
(70)
Auf den Thraso.
Thraso denkt, die Welt erschalle weit und breit von seinen Thaten, |
(71)
Auf den Technicus.
Technicus kann alle Sachen |
(72)
Auf den Filz.
Hast du einen Rausch gehabt? Geh zu Filzen nur zu Gaste; |
.
(73)
Auf den Cornulus.
Mit zweyen Weibern hat sich Cornulus vermählet. |
(74)
Von dem Stella.
Stella ist ein Handelsmann; Glücke lacht ihm ohne Wanken, |
(75)
Auf den Prädo.
Prädo läßt sich lieber henken, |
(76)
Auf den Fömininus.
Aller Unfall, der da kömmt, bringt den Föminin zum Weinen; |
(77)
Festemacher.
Waffenweich und ehrenfeste |
(78)
Die Verwüstung Trojens.
Eine Stutt und Hengst haben Troja umgekehrt: |
(79)
Auf den Phorbas.
Phorbas gieng zu seinem Lieb. Als er kam zu deren Thür, |
(80)
Nisus und Nisa.
Nisus buhlte stark um Nisa: Dieses gab ihr viel Beschwerden; |
(81)
Auf den Crispus.
Da Crispus annoch unbekannt, hielt man ihn böse nicht, noch gut; |
(82)
Erbschaft.
Vor, wenn naher Freund gestorben, |
(83)
Ein vernünftig Weib.
Wer nach einem Engel freyt, trifft oft einen Teufel an. |
(84)
Auf den Veit.
Jung, war Veit ein Biedermann; alt, ist Veit in Schelmenorden. |
(85)
Gerüchte.
Man saget selten was, es ist doch etwas dran; |
(86)
Auf den Curiosus.
Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat zu leben; |
(87)
Auf den Gulo.
Gulo hat Gedärm im Kopf und Gehirn im Bauche; |
(88)
Auf die Rubida.
Rubida ist voller Scham, niemand wird sie barfuß finden; |
(89)
Mars ein Roßtäuscher.
Kömmt etwa Mars ein Pferd zu kaufen, |
(90)
Auf den Glicus.
Glicus möchte gerne wissen, ob sein Weib ihm treu; |
(91)
Auf den Koridon.
Koridon war der Betrübtste |
(92)
Auf den Jgnavus.
Jgnavus ist ein wirthlich Mann, er sieht der Arbeit fleißig zu: |
(93)
Scherz und Schimpf.
Flut, die nicht ersäuft, nur badet; |
(94)
Menschliche Erfindungen.
Sehr selten wird gesagt, was vor nicht auch gesagt. |
(95)
Das Jahr.
Das Jahr ist wie ein schwangres Weib, gebieret uns viel Tage, |
(96)
Zeitlich Gut.
Was ist doch Ehre, Macht, Pracht, Schönheit, Lust und Geld? |
(97)
Richter.
Jeder Richter heißt gerecht, und auch ungerecht hinwieder: |
(98)
Frühling und Herbst.
Der Frühling ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wär, |
(99)
Faulheit.
Ein Ballon fleucht ungeschlagen nimmer, ob er gleich voll Wind: |
(100)
Auf den Oscus.
Oscus ist an Gelde reich, darf um gar nichts sorgen; |
(101)
Vom Mißbrauch der Singekunst.
Was denkst du, lieber Gott? wenn itzo deine Christen |
(102)
Auf die Glissa.
Glissa lieset gern in Büchern; Arnd, ihr liegt dein Paradies |
(103)
Kostenordnung.
Die Satzung, nach Gebühr zu zehren, |
(104)
Auf den Rappinus.
Rappinus schenkt dem Herrn was er ihm vor entwandt, |
(105)
Auf den Coquinus.
Freunde, nicht von gutem Sinn, Freunde nur von gutem Magen |
(106)
Soldatenwunsch.
Die Krieger rufen, sie zu holen, den Teufel fleissig an: |
(107)
Von meinen Reimen.
Hat jemanden wo mein Reim innerlich getroffen, |
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