Friedrichs von Logau Sinngedicht
Verlag: Weidmannischen Buchhandlung | Jahr: 1759
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Sechstes Buch.
Sinngedichte.
(1)
Kurzweilen.
Andre moegen Glaeser stürzen; andre mögen Hund' anbeten; |
(2)
Jahreszeiten.
Jm Lenzen prangt die Welt mit zarter Jungferschaft; |
(3)
Von der Phyllis.
Eines Morgens schaut ich gehen |
(4)
Ein Brief.
Dein Brief begrüßte mich, mein Brief begrüßt dich wieder. |
(5)
Ein junges Mädchen und ein alter Greis.
Ein guter Morgen ward gebracht in einer guten Nacht, |
(6)
An eine fürstliche Person.
Fürstinn! Jhr geht, wie es billig, inner Gold und Seiden her; |
(7)
Rückkunft vom Freunde, Ankunft zur Freundinn.
Da, wo ich itzo war, da war mir herzlich wohl, |
(8)
Bittre Liebe.
Lieben ist ein süßes Leiden, |
(9)
Die deutsche Sprache.
Jst die deutsche Sprache rauh? Wie, daß so kein Volk sonst nicht |
(10)
Auf die Pulchra.
Dreyerley vergöttert dich: Daß du bist so wunderschön; |
(11)
Gasterey.
Gemäßigte Trachten, |
(12)
Hunger und Liebe.
Der Hunger und die Liebe sind beide scharfer Sinnen; |
(13)
Die Lockfinke.
Nicht zu weit von meinem Singen |
(14)
Auf die Anna.
Bey einem Kranken wachen bis Morgens drey bis vier, |
(15)
Schädliche Liebe.
Lieben läßt nicht lange leben, |
(16)
Vergängliche Gesellschaft.
Ein guter Freund, ein reiner Wein, und auch ein klares Glas |
(17)
An einen Bräutigam.
Wenn du die Braut ins Bette rufst, so wehrt sie sich beym Bitten; |
(18)
Auf die Floja.
Floja wär ein schönes Weib, könnte Floja sich nur schämen; |
(19)
Der Frühling.
(20)
Wunsch an eine Dame.
Gott geb dir alles Gute, und mich dir noch dazu: |
(21)
Küsse.
Amor saß jüngsthin betrübet, |
(22)
Gewissen.
Wo du Lust zur Wollust fühlest, kannst du sie am besten büßen, |
(23)
Von der Aristea.
Aristea, du bist schön. Allen Leuten macht dich hold |
(24)
An die Kunstgöttinnen.
(25)
Ungleiche Ehe.
Der junge Schnee der Haut kam zu dem Schnee der Haare, |
(26)
An einen Freund.
Weil du mich, Freund, beschenkst mit dir, |
(27)
Von des Marcus Töchtern.
Seyd lustig, seyd lustig, sprach Marcus, ihr Kinder! |
(28)
Die Liebe brennt.
Die Fische lieben auch. Mag Wasserliebe brennen? |
(29)
An die Venus.
Die Sonne geht zu Bette, die halbe Welt ist blind: |
(30)
Ein Kuß.
Die süße Näscherey, ein lieblich Mündleinkuß |
(31)
Von einer Biene.
Phyllis schlief: ein Bienlein kam, |
(32)
Das Weib schweige.
Weiberlippen sind geschaffen |
(33)
Die Weltfreundschaft.
Jch will nicht Damon seyn, die Welt darf auch nicht werden |
(34)
Frauenminze.
Frauenminze heilt viel Leid, |
(35)
Die Liebe.
Liebe darf nicht malen lernen, weil sie nicht die Farben kennt, |
(36)
Ursprung der Bienen.
Jungfern, habt ihr nicht vernommen, |
(37)
Jugend und Alter.
Jugend liebt und wird geliebt, Alter liebt und wird verlacht. |
(38)
Auf die Blandula.
Blandula, du Jungfer Mutter, kannst so schöne Kinder bringen? |
(39)
Gastzahl.
Mit sieben Gästen |
(40)
Der Liebe Märtyrerthum.
Buhler sind zwar Märtyrer oft so gut als einer, |
(41)
Händekuß.
Jungfern, euch die Hände küssen, |
(42)
Köstliches Wasser.
Wasser, die die Alchymisten brennen, sind gar hoch geacht; |
(43)
Auf die Nivula.
Nivula brennt ihrer viel: |
(44)
Ein Kuß.
Giebt Clara einen Kuß, solls viel gegeben seyn. |
(45)
Wittwer und Witwen.
Wär Freyen Dienstbarkeit, wär nicht was Freyes dran, |
(46)
An die Rhodia.
Rhodia, geh nicht ins Feld! Werden Bienen deiner innen, |
(47)
Geliebte Sachen.
Springet in der Schale Wein, |
(48)
Frage.
Wie willst du weiße Lilien zu rothen Rosen machen? |
(49)
Ein honigsüßer Schlaf.
Ein Honig ist der Schlaf: als Chloe diesen aß, |
(50)
Farbe der Schamhaftigkeit.
Karmesinroth hält man werth, |
(51)
Ein Briefkuß.
Phyllis schickte Thyrsis zu durch ein Brieflein einen Kuß: |
(52)
Von der Galathea.
Als man, zarte Galathea, einen alten Greis dir gab, |
(53)
Ein thierischer Mensch.
Lupula will keinen lieben, |
(54)
Wittwentrost.
Meinen Mann hat Gott genommen, den er gab, wie ihm beliebt; |
(55)
.
Die Liebe und der Tod
Tod und Liebe wechseln öfters ihr Geschoß; |
(56)
Auf die Dubiosa.
Dubiosa gieng zur Beicht |
(57)
Küssen.
Bienen küssen schönen Blumen, und die Blumen bleiben schön: |
(58)
Auf die Cerinna.
Cerinna ist so zart, so sauber, wie wie weißes Wachs gezieret. — |
(59)
Die Liebe.
Nenne mir den weiten Mantel, darunter alles sich verstecket. — |
(60)
Jn der Person eines Wittwers.
Bringt Lieben etwan Lust, bringt Lust von Liebe sagen: |
(61)
Von vier Hirtinnen.
Chloris, Doris, Jris, Ciris, liebten Einen Hirten alle; |
(62)
Vergnüglichkeit.
Wer ihm immer läßt begnügen, |
(63)
Ein geraubter Kuß.
Was meynt ihr? Ein gestohlner Kuß sey minder angenehme? — |
(64)
Zuchthüter.
Ein Hüter, der die Weiber vor Schand in Obsicht nahm, |
(65)
Jungfrauen.
Jhr Jungfern hört mir zu! doch fasset die Geberden, |
(66)
Von der Paulina.
Eines Tages sprach ein Buhler um die Gunst Paulinen an: |
(67)
Poeterey.
Wer durch Dichten Ruhm will haben, kann ihn nießen: |
(68)
Ueber das Bildniß des nackten Cupido, welchen seine Mutter züchtigt.
Was hat doch der liebliche Knabe verschuldet, |
(69)
Von einer Fliege.
Eine Fliege war so kühn, |
(70)
Küssen.
Wer küssen will, küß auf den Mund, das andre giebt nur halb Genießen. |
(71)
An eine Fürstinn.
Die Welt hat den Geruch, wir haben hier die Blum: |
(72)
Lustschmerzen.
Feuer glänzet, mehr als Gold; |
(73)
Von meinen Sinngedichten.
Was mein Sinn bisher gezeugt, und an Tag die Feder legte, |
*