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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

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von Anthologien

Verlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909

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Kapitel 341

339. Franz Liszt an Richard Wagner

Einziger!

Oftmals bin ich sehr betrübt Deinetwillen – und meinetwillen habe ich keine Veranlassung mich zu erfreuen. – Die Hauptangelegenheit und Aufgabe meiner gesellschaftlichen Existenz nimmt eine sehr ernste und peinliche Wendung. – Ich konnte von dieser Seite nicht viel Andres erwarten und war darauf vorbereitet, – jedoch haben die langwierigen Verwicklungen, an welchen ich duldend zehren muß, viel Kümmerniße mit sich gebracht und meine pecuniäre Lage sehr gefährdet – so daß ich jetzt außer Stande bin einem Freund beizustehen. Dies ist mir sehr empfindlich – und ich kann darüber nicht weiter sprechen. Du wirst mich verstehen und mein Stillschweigen nicht mißdeuten. – Gelegentlich kann ich Dir meine Verhältnisse mündlich genauer mittheilen, – sie sind nicht rosenfärbig, und mancher Andre wäre vielleicht dabei ganz zu Grunde gegangen, was wieder andren nicht unlieb gewesen – – –

... Ich bin recht ermüdet und abgespannt. – Der Frühling aber bringt uns frische Kräfte. –

Schreibe bald an Deinen Dich herzlich liebenden und treu ergebenen
F. Liszt.

Gotha, 4. April 1854.

*