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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

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von Anthologien

Verlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909

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Kapitel 340

338. Richard Wagner an Franz Liszt

Dank, Du lieber heiliger Christ! Ich nehm' Dich für den Heiland selbst, und Hab' Dich als solchen auf meinem Arbeits-Altar aufgestellt! Dank, tausend Dank, daß Du gekommen bist: ich war schon recht allein! –

Hätte ich – eine Geliebte, ich glaube, ihr schriebe ich gar nicht: laß mich Dir mindestens nur wenig schreiben, ohne äußere Erlebnisse zu berichten zu haben: was ich in mir erlebe, kann ich immer weniger schreiben, weil ich es nicht einmal mehr sagen könnte: so nothwendig wird mir's nur zu fühlen, oder – zu handeln!

Ich weiß, daß ich nächstens wieder einen Brief von Dir bekommen muß, weil Du mir zu berichten haben wirst: nun bin ich so stolz und verlaß mich darauf, und – schweige, um Dir zu sagen, daß ich Dich wahrlich von Herzen liebe.

Zürich, 24. Dec. 53.

Dein R. W.

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