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Tageweisen

von Ottokar Kernstock

Verlag: Braun und Schneider | Jahr: 1914

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Kapitel 33

Im Dichterheim

Es wanderten durch den rauschenden Tann
Drei Mädel, flink wie die Wiesel,
Den Bergpfad zur ragenden Feste hinan
Die Ilse, die Gretel, die Lisel.

Sie rasteten unter dem Lindengeäst,
Durchs Burgtor sind sie gezogen.
Sie fanden des Singvogels heimliches Nest,
Doch der Sänger war ausgeflogen.

Ihr lieblichen Wanderer macht euch nichts draus,
Weil heute im Hause ich fehle!
In meinen Liedern bin ich zu Haus,
Im Sange wohnt meine Seele.

Dort habt ihr manch trauliches Stündlein geweilt
Beim Dichter, dem Bringer des Schönen.
Habt Wonne und Wehmut mit mir geteilt,
Mein Lächeln und meine Tränen.

Ergründet habt ihr mein innerstes Sein
Und meine Sendung gesegnet –
So wurde ich euer, so wurdet ihr mein,
Obgleich wir uns niemals begegnet.

Und kommt jetzt das Herbsten und kommt das Verblüh'n,
Ich weiß doch, trotz Blättergeriesel
Bleibt mir ein herziges Kleeblatt grün:
Die Ilse, die Gretel, die Lisel.

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