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Gedichte. Ausgabe letzter Hand

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von Johann Wolfgang von Goethe

Verlag: Artemis-Verlag Zürich | Jahr: 1949

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Kapitel 232

Die Nektartropfen

Kunst

Bilde, Künstler! Rede nicht!
Nur ein Hauch sei dein Gedicht.

Als Minerva, jenen Liebling,
Den Prometheus, zu begünstgen,
Eine volle Nektarschale
Von dem Himmel niederbrachte,
Seine Menschen zu beglücken
Und den Trieb zu holden Künsten
Ihrem Busen einzuflößen,
Eilte sie mit schnellen Füßen,
Daß sie Jupiter nicht sähe;
Und die goldne Schale schwankte,
Und es fielen wenig Tropfen
Auf den grünen Boden nieder.

Emsig waren drauf die Bienen
Hinterher und saugten fleißig;
Kam der Schmetterling geschäftig,
Auch ein Tröpfchen zu erhaschen;
Selbst die ungestalte Spinne
Kroch herbei und sog gewaltig.

Glücklich haben sie gekostet,
Sie und andre zarte Tierchen!
Denn sie teilen mit dem Menschen
Nun das schönste Glück, die Kunst.