Was seh' ich hier? – Ein Dorf? – Nein, nein! In diesen schmalen Klausen, Um die sich Wind und Wetter zankt, Wie? – sollten Menschen hausen? Dies Holzgeripp' mit Fleisch aus Schlamm, Mit stumpfem Gram im Herzen, Das wollte gelten für ein Haus, Bewohnt von Glück und Scherzen? Der Fleiß, der frohe Jugendsinn, Die Liebeslust, der Segen, Sie könnten auch in solcher Haft Gedeihn und sich bewegen? Und doch – man leibt und lebt und liebt Auch unter Halmendächern, Auch in den Särgen dieses Dorfs, Wie in der Stadt Gemächern. Doch seltsam! – wenn ich hier mich weg, Und da hinüberwende, – Ein stiller Friedhof lehnt sich dort An dieses Dorfes Ende. Bezeichneten die Kreuze nicht, Welch eine Saat er trage, Man hielt ihn für ein üppig Feld Von einfach schöner Lage. Getreideswellen ähnlich blähn Sich seine grünen Hügel, Und durch die hohen Halme wehn Des Westes leise Flügel. Er hat kein Tor, – wozu nur wär's? Den Weg hin finden alle; Ein Kreuzdornzaun genügt, – wer schleicht Sich fort aus dieser Halle? Er hat kein Dach, – der Blick hinauf Ist allen unbenommen, Und was von oben kommen will, Das möge freundlich kommen! Wenn man den Kirchhof und das Dorf Zusammen so beschauet, Wer sehnte sich nach jenem nicht, Indes vor dem ihm grauet? Wie sind die guten Lebenden Doch dort so schlecht begraben, Indes die lieben Toten hier Das schönste Leben haben! |