Innerhalb Toledos Mauern Stand, umweht von ernsten Schauern, Ein Palast, seit alten Tagen Vielberühmt in Lied und Sagen. Die gebräunten, festen Türme Strebten auf ins Reich der Stürme; Die gewalt'gen Marmorglieder Reichten in die Erde nieder. Schauerliche Pforten hingen In den dicken Angelringen, Rost'ge, riesenhafte Riegel Lagen vor, wie ehrne Siegel. Doch die Riegel zu erbrechen Mochte niemand sich erfrechen, Denn geheimnisvolles Grauen Weckt' es, nur sie anzuschauen. Auch verpflanzt von Mund zu Munde Lief gar eine düstre Kunde: Daß des Landes Heil und Segen Sei an diesem Bau gelegen. »Keiner,« – also war die Kunde, – »Wage, was, zu böser Stunde, Zauber dort versperrt mit Riegeln, Gottesräubrisch zu entsiegeln. Was es sei, woran es hange, Daß davor dem Volke bange, Weil's die Zeit verschleiert eben, Soll den Schleier niemand heben!« – Doch ein König kommt zu Throne, Der da, stolz auf seine Krone, Was Jahrhunderte geachtet, Lüstern zu ergründen trachtet. König Rodrich sieht die Türme Ragen ins Gebiet der Stürme; Lächelnd ob der Sage Worten, Sprengt er die gewalt'gen Pforten. Kalte Moderlüfte zogen Durch die feuchten Mauerbogen, Daß die Mannen drob erblassen, Nicht voran sich hetzen lassen. Selber, weil er's will ergründen, Muß den schauerlichen Schlünden Mit der Fackel, mit dem Degen König Rodrich gehn entgegen. Von den Wänden tropft's, wie Tränen, Flattert Moos, wie graue Mähnen, Auf dem Boden durcheinander Huschen Schlang' und Salamander. Treppen auf und Treppen nieder Tappt er hastig hin und wieder, Bis, gesprengt von Axt und Hammer, Auf sich tut die letzte Kammer. Gold und Steine zum Erblinden Hofft er endlich hier zu finden, Denn gar sonderbare Bilder Zieren Wänd' und Marmorschilder. Auf der Hämmer Fragen tönet Hohle Antwort; splitternd dröhnet Jetzt die Wand im Hintergrunde, Rodrich jubelt ob dem Funde. Doch auf schwarzer Tafel stehen Goldne Lettern, klar zu sehen, Leicht zu lesen, wohl zu fassen, Daß die Mannen drob erblassen: »Ein Geschlecht, wie ihr, das, raubend, An das Heiligste nicht glaubend, Ruhm durch Hochmut will erwerben, Wird Hispanien verderben!« – Rodrich lacht auch dieser Worte, Wütend eilt er von dem Orte, Denn er denkt mit seinem Eisen, Daß es Lug sei, zu beweisen. Doch am heißen Tag bei Xeres, Unterm Schwert des Maurenheeres, Lernten blutend er und alle, Daß der Hochmut kommt vorm Falle. |