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Gedichte

von Johann Christian Günther

Verlag: F. A. Brockhaus | Jahr: 1874

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Kapitel 51

12.

(Als er sie wieder zu besänftigen suchte.)

Nach einem Gedicht, welches in den Ausgaben vorhergeht, hatte er die Geliebte, Luise, durch zu große Freiheit beleidigt.

Erzürnte Schöne, laß einmal
Den alten Unmuth aus dem Herzen
Und deiner holden Augen Strahl
Mit angenehmen Blicken scherzen!
Ich habe freilich viel versehn,
Doch ists aus Vorsatz nicht geschehn:
Es sind fürwahr nur Schwachheitssünden.
Ein Mensch, der seine Schuld erkennt,
Der muß, so sehr der Eifer brennt,
Auf Reu' und Buße Gnade finden.

Der Schaden, den ich dir gemacht,
Ist doch noch endlich zu ersetzen.
Ach, wüthe doch nur mit Bedacht,
Du sollst mich einmal redlich schätzen.
Ich habe ja genug gebüßt,
Nachdem ich eine Lust vermißt,
Worzu du mich vorlängst erlesen;
Die Strafe nehm' ich willig an,
Weil sie, wie ich nicht leugnen kann,
In etwas ist verdient gewesen.

Von nun an aber bitt' ich dich
Bei deinen feuerreichen Augen:
Wirf Zorn und Eifer hintersich hintersich, rückwärts, zurück.,
Und laß dir meine Demuth taugen taugen, angenehm sein.!
Dein klug- und aufgeweckter Geist,
Der sich aus allen Worten weist,
Macht, daß ich deinen Umgang liebe.
Fehlt mir Gelegenheit dazu,
So rathe, was ich jetzund thu:
Dich ehr ich mit verschwiegnem Triebe.