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Gedichte

von Johann Christian Günther

Verlag: F. A. Brockhaus | Jahr: 1874

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Kapitel 122

20.

(Die unwiederbringliche Zeit.)

Ich weiß noch wohl die liebe Zeit,
In der ich mich genug erfreut.
Was waren das vor süße Tage?
Die Schläfe trugen Blum' und Glut
Und kannten weder Wunsch noch Plage,
Noch was den Greisen bange thut.

Mein Sorgen ging auf Lust und Scherz.
Mein Herz war Amaranthens Herz,
Wir zählten weder Kuß noch Stunden,
Tanz, Schauplatz, Gärte, Spiel und Wein
Und aller Vortheil der Gesunden
Nahm Blut und Geist mit Wollust ein.

Wie? Was erzähl' ich einen Traum?
Zum wenigsten gedenkt michs kaum.
Mein Gott, wie ist die Zeit entronnen?
Was hast du, Herz, von aller Lust?
Dieß, daß du Reu' und Leid gewonnen
Und missen und entbehren must.

Ihr, die ihr die Natur versteht
Und durch die Kunst oft höher geht,
Ihr könnt euch mir recht sehr verbinden:
Ach, sagt mir doch, ich fleh' euch an,
Wie soll ich die Maschine finden,
Die Zeit und Jugend hemmen kann?