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Iwein mit dem Löwen

von Hartmann von Aue

Verlag: Verlag von Alexander Duncker | Jahr: 1845 | Übersetzer: Wolf Graf von Baudissin

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Kapitel 15

Kapitel 15

Wer möcht' ihm jetzt noch dräu'n,
Da er gesund den guten Leun
Aus dem Streite gebracht? –

6870 Der er hülfreich vorhin gedacht,
Zu der nun kehrt' er zuhand;
Dahin wo er die Jungfrau fand,
Die ihre Niftel krank verließ,
Der er zum Kämpfer sich verhieß.
6875

Die zeigt' ihm die viel rechten Wege;
Sie weilte noch in treuer Pflege.

Nun säumten sie nicht lange da,
Denn die Kampfzeit war schon also nah,
Daß ihnen der Frist zu ihrer Fahrt

6880 Weder gebrach noch übrig ward,
Und kamen zur rechten Stunde an.
Die Schwester die den Streit begann,
Fanden sie an der Kampfesstatt.
Herr Gawein, der sich's von ihr erbat,
6885 Hatte sich längst verhohlen
Vom Hof hinweg gestohlen,
Und Allen vorher erklärt,
Den Kampf zu schau'n sei ihm verwehrt,
Weil Andre schon ihm nachgefragt.
6890 Also hatt' er sich losgesagt,
Und kam jetzt heimlich wieder an,
Mit fremden Waffen angethan,
Daß ihn Niemand außer der Magd
Erkannte; der hatt' er's gesagt.
6895 Vor dem Palaste schon
Saß König Artus auf seinem Thron,
Und seines Hauses Massenie;
Denn gern erspähen wollte sie
Wie da wurde gestritten.
6900 Nun kam zugleich auch hingeritten
Die Jungfrau und Herr Iwein.
Der Leu fuhr nicht mit ihnen zwein,
Den hatt' er weggethan,
(Er wollt' ihn nicht zum Kampfe ha'n,)
6905 Und war noch Niemand da bekannt
Wie der Ritter wäre genannt.
In den Kreis nun ritten beide.
Da dachten alle mit Leide
Und viel sorglicher Schwere,
6910 Ob noch deß Hülfe wäre
Daß nicht Einer von ihnen werd' erschlagen:
Den müsse man wohl ewig klagen,
Weil sie zwei Ritter nimmer gesehn
(Wie Alle eingestehn)
6915 So schön daß nie des Wunsches Gewalt
Schüfe bessre Gestalt
Am Leibe wie an Sitten;
Und begonnen den König zu bitten,
Er möge die ält're noch bewegen,
6920 Daß sie des Friedens wegen
Mit der Jüngern theilen wolle.
Das weigert sie mit solchem Grolle,
Daß er entmuthigt schwieg.
Sie hoffte zu gewiß, der Sieg
6925 Werd' ihr nimmer entrafft,
Weil sie wohl ihres Ritters Kraft
Erkannt' und wollt' auf Nichts verzichten,
Noch irgend die Fehde schlichten.
Als der König Artus ersach
6930 Daß Keiner die Sühn' ansprach,
Da hieß er räumen den Ring.
Nun war doch das ein schmerzlich Ding,
Anzusehen ein Fechten
Von zwein so guten Knechten:
6935

(Denn es thut dem biedern Mann nicht wohl,
Der des Andern Tod sehen soll)
Wo mind'stens eine Schale sank,
Ob Einer auch erkämpft den Dank.

Erzählt' ich nun das Fechten

6940 Von diesen edlen Knechten
Mit Worten kunstrecht und vollendet,
Hätt' ich der Rede Pracht verschwendet;
Denn Ihr vernahmt schon sonst die Mär'Vom Iwein in diesem Gedicht, vom Gawein hier und im Erek.
Von beider Kühnheit und starker Wehr.
6945 So will ich hier nur sagen,
Wie nimmer gleich zwei Zagen
Die beiden da gebahrt,
Und sich den Ruhm bewahrt
Daß nie der Welt ward offenbar
6950 Ein also treffliches Paar,
Noch so entflammt nach weltlichem Lohne.
Drum trugen sie auch die Krone
Ritterlicher Ehren,
Die jeder von ihnen wollte mehren
6955 Durch den Andern an dem Tage.
Darum wein' ich's und klage,
Daß die besten Gesellen
Zu solchem Kampf sich stellen,
Die edelsten von der Welt.
6960 Denn wer von beiden fällt
Durch des andern Hand,
Und wird ihm dann bekannt
Wen er hat erschlagen,
Der wird auf ewig ihn klagen.
6965 Möchten nun beide siegen,
Oder beide sieglos liegen,
Oder ohne Fluch und Schimpf
Vom Kampf abstehn in Glimpf,
Nachdem sich erkannt die beiden;
6970 Das wäre nach allen Leiden
Beiden erwünscht und lieb.
Denn dem Auge nur des Andern blieb
Jeder fremd, doch nicht der Brust:
Jeder war sich's heimlich bewußt,
6975

Ihn solle bestehen ein Mann
Der liebste, den er je gewann.

Da nun der Kampf beginnen soll,
So ziemt' auch beiden wohl
Daß sie nicht länger harrten.

6980 Weß sollten sie auch warten?
Da ist die Wahlstatt und der Muth;
Auch waren die Rosse beide so gut,
Daß das sie nicht versäumte.
Jeder von ihnen räumte
6985

Dem Andern seinen Puneis,
Und ritt bis an den Kreis,
Der war wohl eines Roßlaufs weit:Man rechnete sechszehn Roßläufe auf eine französische Meile, deren drei auf zwei deutsche gingen. Danach wäre ein Roßlauf 500 Schritt.
Zu Rosse nun begann der Streit.

Nun mochten die wohl streiten,

6990 Die nicht zu jenen Zeiten
Kämpfens erst begonnten.
Wie wohl sie fechten konnten,
Zu Rosse und zu Fuße! –
Ihre Waffen hatten Muße
6995 Nimmer gekannt und nie,
Das zeigten sie wohl hie.
Auch mögt Ihr für wahr das halten,
Es lehrt die Gewohnheit walten
Einen minder tapfern Mann,
7000 Daß er besser fechten kann,
Als wer kühn und verwogen
Keiner Uebung gepflogen.
Hier aber war Kunst und Kraft;
Hier sah man edler Ritterschaft
7005 Volle Schule gelehrt,
Und ward für beide bewährt
Der erste Preis im Streit
Unter allen Rittern zu jener Zeit.
Nun säumten sie auch nicht mehr,
7010 Die Rosse wurden sehr
Mit dem Sporn genommen.
Man sah sie an einander kommen
Und feindlich beide gebahren
Die doch Gesellen waren.
7015 Nun dünkt es andern wohl und mir,
Als sei unmöglich schier,
Daß jemahls Minne und Haß
Sollten fließen aus einem Faß,Die Stelle ist unübersetzbar, weil vaz einen viel weitern Begriff hat als unser Faß, es bedeutet jeden umschlossenen Raum. Gefäß würde näher kommen, wenn der Reim es gestattete.
Also daß Minne bei dem Hasse
7020 Bleiben sollt' in demselben Fasse.
Ob zwar nun Minne und Haß
Nimmer wohnten in einem Faß,
Doch quoll in demselben Fasse
Minne neben dem Hasse,
7025

Also daß weder Minne noch Haß
Eilig räumten das Faß.

Nun mein' ich, Freund Hartmann,
Du siehst es fälschlich an.
Wie kommt Dir in die Sinne

7030 Daß beide, Haß und Minne,
Sollten wohnen in einem Raum?
Lieber, Du sprichst im Traum.
Es haben Minne und Haß
In einem Gefäße kein Gelaß.
7035 Wenn der Haß wird inne
Ernstlicher ächter Minne,
Weicht sofort der Haß,
Und läßt Frau Minnen alles Gelaß;
Wo aber hauset der Haß,
7040

Da wird die Minne laß.

Nun will ich Euch erklären das,
Wie herzliche Minn' und bittern Haß
Umschließen mocht' ein enges Faß.
Ihr Herz, das ist das enge Faß;

7045 Da wohnten beisammen drinne
Haß neben der Minne.
Es hält aber in Frieden
Eine Wand die zwei geschieden,
Daß Haß von Minne nicht weiß,
7050 Sonst machte sie ihm also heiß,
Daß mit Schimpf und Schande der Haß
Müßt' entfliehen dem Faß:
Und räumt' es auch Frau Minne,
Würde sie ihres Nachbars inne.

7055

Das Nicht-Erkennen war die Wand,
Die zwischen den beiden stand,
So daß sie Herzensfreunde sind,
Und doch mit sehenden Augen blind.
Unkunde will, daß ein Geselle

7060 Im Kampf den andern fälle;
Und wenn er ihn überwindet
Und dann ersieht und findet
Wen er hat überwunden,
So mag er nimmer gesunden,
7065 Noch ferner Freude suchen;
Er muß dem Wunsche fluchen,
Und wenn das liebste ihm geschicht,
Verläßt ihn Qual und Vorwurf nicht.
Wer auch den Sieg erstritt,
7070 Geht siegreich doch des Sieges quitt.
Ihn traf des Unglücks Bann,
Seit seines Glückes Wahn zerrann.
Er hasset was er minnet
Und entbehrt was er gewinnet.

7075

Ansprengten die Roß' im selben Nu.
Nicht zu spät und nicht zu fruh
Neigte jeder den Speer,
Und stemmt' an die Brust ihn her,
Daß er wie festgewurzelt schien;

7080 Weder hoben noch senkten sie ihn,
Nicht auf- noch abwärts wich er,
Sondern nach rechtem Maaß und sicher
Hielt jeder ihn wie er sollte,
Und zielt' als ob er wollte
7085 Seinen Kampfgesellen
Auf das Grün hinfällen,
Daß jeder Stich gerieth
Wo Schild und Helm sich schied:
Denn dahin trifft den Mann
7090

Wer mit dem Speer ihn fällen kann.

Das ward da wohl erzeigt;
Denn es schwankt und neigt
Jeder von beiden also sehr,
Daß er zuvor nie mehr

7095 Der Erde sich genaht,
Und fiel auch in der That.
Daß jeder im Sattel saß, deß war
Die Ursach' allein und offenbar
Weil die Speere nicht ganz geblieben.
7100 Denn sie kamen daher getrieben
Mit also mannlicher Kraft,
Daß jedes Gesellen Schaft
Wohl in hundert Stücke brach;
Und männiglich bekannt' und sprach,
7105 Schöner sei noch nie tjostirt.
Nun lief umher und kreiirt
Behender Garzun' ein Schwarm
Und jeder trug im Arm
Zween Speere oder drei.
7110

Man hörte nichts als ein Geschrei:
Speere her! Speere her!
Der ist hin, ein andrer Speer! –

Da ward viel gestochen,
Und gar die Speere zerbrochen

7115 Die sie erlangen mochten.
Hätten sie da gefochten
Zu Rosse mit den Schwerdten,
Deß sie nicht begehrten,
Das wär' der armen Hengste Tod;
7120 Um die that ihnen Noth,
Damit sie sich erhohlen mochten,
Daß sie zu Fuße fochten;
Was hatten ihnen die Rosse gethan?
Nun gingen sie wieder einander an.
7125 Ich sag' Euch was sie thaten,
Als sie zusammen traten,
Die zwei Kampfkundigen und Weisen.
Sie sparten beide das Eisen
Mit dem sie den Leib bewahrt,
7130 Das Schwerdt ward aber nicht gespart:
Freigebig und mit Fleiß
Gab jeder den Schildrand preis;
Dem Schilde trugen sie Haß.
Beide bedachten sie das:
7135 »Wir hau'n vergeblich heiß und wild;
So lange der Andre trägt den Schild,
Ist er ein sichrer Mann.«
Auf die Schilde hau'n sie dann,
Und keiner trachtete nie
7140 Daß er niederhalb der Knie
Seine Hiebe streckte
Wo den Gegner der Schild nicht deckte.
Da wurden ausgelieh'n
Kräftige Schläge stark und kühn
7145 Ohne Bürgschaft und Pfand,
Und wieder gezahlt zuhand.
Kann einer gelten, steht er sich gut;Ich habe absichtlich das alte Wort gelten für zahlen des Reims wegen beibehalten.
Und hat er zu gelten Muth
So mag er kühnlich borgen.
7150 Dagegen muß besorgen
Wer borget und nicht gelte,
Daß er's nachher entgelte.
Borgen und nicht gelten,
Das fürchteten beide zu entgelten;
7155 Denn wer geborgtes nicht zahlt,
Schon oft das schwer entgalt.
Sie hätten's auch entgolten,
Drum ward das Darlehn flugs vergolten;
Jeder von ihnen pünktlich zahlt,
7160 Daß er's am Leumund nicht entgalt.
Sie mußten fleißig gelten
Wollten sie entgehn dem Schelten;
Sie fürchteten die Schelter
Saumseliger Gelter.
7165 Sie entliehen beid' aus voller Hand,
Und ward nach Zahlung nicht gesandt,
Denn sie brachten ins Feld
Baar und überzählig ihr Geld,
Und zinsten auf frischer That
7170

Früher und mehr als man sie bat.

Unrühmliche Müssigkeit
Ist Gott und den Menschen leid:
Und steht auch Keinem an,
Als einem weibischen feigen Mann.

7175 Wer gerne lebt nach Ehren,
Der soll viel eifrig kehren
Alle seine Sinne
Nach redlichem Gewinne,
Daß er guten Erfolg erringe,
7180 Und wohl den Tag vollbringe.
So hatten die beiden stets gethan:
Ihr Leben war nie verthan
An keine Müssigkeit:
Ihnen beiden war viel leid
7185

Wenn ihre Tage gingen hin,
Und sie keinen Gewinn
An dem Kaufe funden,
Deß sie sich unterwunden.

Zwei Wechslern, klugen und reichen

7190 Mochte man sie vergleichen;
Die beid' ausliehn ihr fahrendes Gut
Nach einem seltsamen Muth.
Sie strebten nach Wucher und Beute,
Wie zwei geizige Handelsleute;
7195 Doch stellten sie den Sinn
Auf seltnen fremden Gewinn.
Kein Kaufmann möcht' ihn erwerben,
Er müßte dabei verderben;
Ihnen aber trug es ein.
7200 Wenn sie auf Borg das Ihre leihn
Nehmen sie Zahlung ungern hin:
Nun seht Ihr welcher Gewinn
Erwächst aus solchem Handel!
Da leih'n sie in stetem Wandel
7205

Stich und Schlag mit Schwerten und Speeren;
Und mocht' Ersatz gewähren
Keiner auch nur den halben Theil:
Und damit mehren sie Ehr' und Heil.

Auch war das ihres Wechsels Art,

7210 Daß er Keinem verweigert ward,
Weder Mann, noch Frau, noch Greis.
Sie tauschten auf ihr Geheiß
Müh' und Arbeit um Ehre.
Nimmer hatten sie mehre
7215 In also kurzen Stunden
Wiedererstattung funden:
Denn nie entliehn sie einen Schlag,
Daß nicht die Zahlung fertig lag.
Da wurden die Schilde gegeben
7220 Zum Nothpfande für das Leben:
Die hieben sie bald sich von der Hand.
Nun hatten sie kein andres Pfand
Als das Eisen blank und baar;
Das boten sie zum Pfande dar.
7225 Auch mochte der Leib dem nicht entgehn,
Er mußte da zum Pfande stehn,
Und ward als Zahlung eingesetzt.
Die Helme wurden zuletzt
Hier und dort zerhau'n;
7230 Die Ringe mochte man schau'n
Von Blute roth gefärbt,
Und von Hieben zerkerbt
Die sie in kurzer Zeit empfangen,
Doch bis ans Mark nicht drangen.
7235 Es erhub sich gegen Morgen
Mit mannlichen Sorgen
Dieser Gefahr drohende Streit,
Und währte fort lange Zeit,
Bis voll nach mittem Tage,
7240 Daß Keinem von des Andern Schlage
Ein Schaden mochte kommen.
Ihnen hatt' Ermüdung genommen
Völlig und gar die Kraft;
Es däucht' sie ihre Ritterschaft
7245 Ohne Ruhm und Ehre,
Und kämpften zuletzt nicht mehre:
Da gönnten sich die beiden
Ein viel willkommnes Scheiden,
Und setzten sich nieder auf den Grieß,
7250

Bis die Erschöpfung sie verließ.

Die Ruhe währte nicht lang,
Bis jedweder aufsprang,
Und liefen aber einander an.
Jeder war nun ein frischer Mann,

7255 Beides an Willen wie an Kraft.
Es war ihre frühre Ritterschaft
Gegen diese nur ein Stroh,
Die sich neu anhub also.
Ihre Schläge waren kräftig vorher:
7260 Jetzt kräft'ger und es fielen mehr.
Ihr Fechten sah sich an
Mancher kampfkundige Mann,
Doch keines Auge war fürwahr,
Weder so kundig noch so klar,
7265 Daß nähm' er auf seinen Eid
Auszusagen die Wahrheit,
Welchem von beiden an dem Tage
Neige des Sieges Wage
Also breit nur als ein Haar,
7270

So konnt' er, das ist wahr,
Keinem ein Quentlein zugestehn:
Nie war so gleicher Kampf gesehn.

Nun sorgten allda Mann und Weib
Um ihre Ehr' und ihren Leib,

7275 Und möchten sie die beiden
Mit Ehren feiedlich scheiden,
Das hätten sie gern gethan,
Und sprachen drum den König an.
Denn wer verschmerzte die Klagen
7280 Wenn Einer würd' erschlagen
Oder gekränkt an seinen Ehren?
Da hub der König an zu kehren
Seine Bitten und seine Sinne,
Ob er nicht Güt' und Minne
7285 Erfände an der ältern Magd,
Die so völlig versagt
Der Jüngern all' ihr Erbe.
Umsonst war, wie er auch werbe;
Sie weigert's mit so schnöden Sitten,
7290

Daß er nicht länger wollte bitten.

Als aber die Junge ersach
Der guten Ritter Ungemach,
Da trübt es ihr die Sinnen;
Und da sie mit Huld und Minnen

7295 Des Zweikampfs Ende nicht erreicht,
Da that sie wie ihr's ziemlich däucht.
Die schöne, edle, gute,
Die verständ'ge, sanftgemuthe,
Die süße Maid, die reine,
7300 Die demüthige, feine,
Die nur von Güte hatte Kunde, –
Mit süßem rothen Munde
Lächelte sie die Schwester an.
Sie sprach: »Eh ein so wertherMann
7305 Den Tod in meinem Namen kührt,
Oder seinen Ruhm verliehrt,
Eh' sei mein Leib und unser Land
Zehnmal beide verbrannt.
Zieh' Du in Frieden und Heil
7310 In mein Erbetheil,
Aufgeben will ich ohne Neid
Beides, Land und Streit,
Und wenn ich's doch entbehren soll,
Gönn' ich's Keinem also wohl.
7315 Stellt das Kämpfen ein,
Ihr Leben ist nützer als das mein'.
Ich bleibe lieber ein' arme Maid,
Als daß Einer durch seinen Eid
Um mich verliehre das Leben:
7320

Dir will ich vergessen und vergeben.«

Als sie das Wort erprobt,
War Keiner, der sie nicht preist und lobt,
Und nicht den König bat,
Daß er nach bestem Rath

7325 Und um Gott das thäte,
Und die Schwester bäte,
Sie möge der Jüngern doch
Das Drittheil oder minder noch
Von ihrem Erbtheil geben;
7330 Es ginge den Rittern an das Leben,
Ihrer Einem oder Beiden,
Möchte man sie nicht scheiden.
Vielleicht auch hätte sie sich gefügt,
Wenn's dem König also genügt:
7335 Der aber weigert's, als er's hört,
Denn ihn hatte der Zorn empört
Wider der Aeltern harten Muth.
Ihn dünkt die Jüngre also gut,
Daß er 's abschlug, zwar ungern,
7340 Weil sie so sicher ihm als Herrn,
Vertraut' und seines Hofes Rechte.
Diese guten Knechte,
Die hatten dem langen Tage
Mit manchem ritterlichen Schlage
7345

Nach Ehren Ende gegeben;
Und stund auf der Wage noch ihr Leben,
Bis die Nacht begann,
Und Dunkel wehrte dem Kampf fortan.

So schied sie beide die Nacht.

7350 Nun ward des Einen Macht
Wohl dem Andern kund,
Daß beiden allda zur Stund'
An einander völlig genügte;
Und weil sich's also fügte
7355 Daß sie's mit Ehren mochten enden,
So ließen sie's wohl bewenden
Bis an den andern Tag.
Sie thaten wie allzeit pflag
Wer je rechten Muth gewann;
7360 Wie leid einem tapfern Mann
Von seinem Feinde geschicht,
Kommt es von Groll und Bosheit nicht,
Selbst wenn er den Willen trüge
Daß er ihn gern erschlüge,
7365

Hegt er ihm doch keinen Haß;
Und jener behagt ihm baß
Als neben ihm ein geringer Mann,
Durch den er Schaden nie gewann.

Das zeigte sich wohl an diesen Zwein.

7370 Wenig hoffte Herr Iwein,
So mächtig dünkt sein Gegner ihn.
Großer Gewinn da beiden schien
Den jeder preisen wollte,
Wenn er erfahren sollte
7375 Wer der Andere wäre.
Seine Wechselmäre
Hub er mit dem Genossen an:
Er sprach: »Wir haben nun abgethan
Unser feindseliges Spiel;
7380 Jetzt wag ich sprechen was ich will.
Ich minnte stets von ganzer Macht
Den lichten Tag vor der Nacht;
Ich hatte meine Freude dran,
Und freudig grüßen ihn Weib und Mann.
7385 Der Tag ist fröhlich und hehr,
Die Nacht finster und schwer,
Weil sie die Herzen trübt;
Während das Licht Thaten übt,
Und ruft zu Kampf und Schlacht,
7390 Hüllt in Schlaf die Nacht.
Ich minnte bis zu dieser Frist
Den Tag vor Allem was da ist:
Nun habt Ihr, edler Ritter gut,
Das ist gewiß, mir solchen Muth
7395 Völlig und gar verkehrt.
Sei mir der Tag nicht länger geehrt!
Ich haß' ihn immer mehre,
Weil er mir alle Ehre
Viel nahe hat genommen.
7400

Die Nacht sei Gott willkommen!
Soll ich mit Ehren alten,
So hat sie mir's erhalten.

Seht selbst, ob mir vom Tage
Nicht große Sorg' und Klage

7405 Heut geworden sei?
Zwei Hiebe mehr noch oder drei,Grimm führt in den Rechtsalterthümern auch diese Stelle an, um an die unzähligen in der Rechtssprache üblichen Dreizahlen zu erinnern (S. 209.). Hier kommt mir eine solche Beziehung nicht wahrscheinlich vor.
Die hätten Euch den Sieg gegeben,
Und mir genommen das Leben:
Deß erlöst mich die liebe Nacht.
7410 Die Ruhe giebt mir frische Macht.
Dann folgt ihr wieder ein Tag,
Der heiß und blutig werden mag.
Und mit erneuten Sorgen
Entgegen seh' ich dem Morgen.
7415 Gott lasse mir's wohl ergehn!
So aber muß ich bestehn
Den allertapfersten Mann,
Von dem ich Kunde je gewann.
Da scheucht die Sorge wohl die Ruh:
7420 Gott schenke mir Kraft dazu.
Den ich da meine, der seid Ihr:
Gott der bewahre mir
Meinen Leib und meine Ehre;
Mir bangte nie zuvor so sehre.

7425

Wißt auch daß ich nimmer gewann
Fehde mit einem Mann,
Den mich mehr verlangt zu kennen! –
Ihr möchtet wohl mir nennen
Euern Namen ohne Schanden?«

7430 »Der sei Euch gern gestanden,«
Sprach mein Herr Gawein:
»Wir stimmen beide darin ein,
Ihr nahmt das Wort vor mir,
Und schwiegt Ihr länger allhier,
7435

So sei Euch das gesagt,
Das gleiche hätt' ich Euch gefragt.

Was Ihr da minnet, das minn' auch ich;
Und weß Ihr sorget, deß sorg' ich.
Es ist heut vergangen ein Tag

7440 Den ich wohl immer hassen mag,
Denn er brachte fürwahr
Nie erlebte Gefahr;
Mir benahm bei Gott nie mehre
Je ein Kämpfer so sehre
7445 Alle mannliche Macht;
Und konntet Ihr vor der Nacht
Nur zwei Hiebe noch führen,
Mußt' Euch der Sieg gebühren.
Ich habe sehnlich die Nacht erharrt;
7450 Was auch von mir gestritten ward,
Noch gewann ich nie so große Noth.
Ich fürchte Schande oder den Tod
Von Euch zu leiden morgen;
Wir sind in gleichen Sorgen;
7455

Und glaubt mir, bei meinem Eid,
Wie gern ich Eurer Tapferkeit
Allen Ruhm errungen wüßte,
Den ich nicht selbst entgelten müßte.

Mein Herz ist Leides überladen,

7460 Daß ich auf Euern Schaden
Immerdar soll denken.
Kann ichs zum Heil mir lenken,
So gescheh' alles deß Ihr begehrt,
Deß seid Ihr weiß Gott wohl werth.
7465 Ich wünscht' es ständ' also,
Daß diese Jungfrau'n zwo
Hätten was jeder dünkte gut,
Und daß wir dienstwilligen Muth
Einander dürften tragen.
7470

Ich will Euch meinen Namen sagen.

Ich bin genannt Gawein.«
»Gawein?« – »Ja.« – »O heller Schein!
Wie licht wird mir der finstre Tag!
Manchen feindlichen Schlag

7475 Hab' ich von Euch empfangen.
Euer Haß ist ergangen
Ueber Euern getreusten Dienstmann,
Und ich zweifle nicht daran,
Was ich Leides von Euch erfahren,
7480 Das alles mocht' ich ersparen,
Hätt' ich bei Zeiten mich genannt.
Wir waren sonst uns besser bekannt:
Herr, ich bins, Iwein.«
Da wohnte unter ihnen zwein
7485 Liebe bei Leide.
Sie freuten sich beide
Daß sie zusammen waren kommen;
Daß keiner dem andern abgenommen
Seine Müh' und schwere Zeit,
7490

Das war beider herzliches Leid.

Beide, Trauer und Haß
Räumten nun schnell das Faß,
Und herrschten drinne
Freude und Minne.

7495 Jeder, entzückt in seinem Sinn,
Warf sein Schwerdt dahin,
Und lief dem Freund entgegen.
Nie haben tapfre Degen
Erlebt so lieben Tag,
7500 Und weiß ich nicht ob jemand mag
Liebern je erleben,
Als Gott den beiden da gegeben.
Sie hielten sich umfangen,
Und küßten sich Augen, Mund und Wangen.

7505

Als der König solche Minne
Und die Königinne
Unter den Kämpfern sahn,
Und wie sie als Freund' einander umfah'n,
Wundert sie deß viel sehr;

7510 Sie säumten auch nicht mehr,
Und eilten sich zu nah'n
Weil sie erfreut die beiden sahn
So liebreich da gebaren.
Wer jene Degen waren,
7515 Das war Keinem noch bekannt,
Bis man's später erfand.
Auch war von Helm und Nacht
Ihr Angesicht bedacht,
Und in des Kampfes Grimme
7520 Verwandelt ihre Stimme,
Daß keiner je sie hätt' erkannt,
Hätten sie selbst sich nicht genannt.
»Ei«, sprach mein Herr Iwein,
»Dieses Tages Licht und Schein,
7525 Das Schwerdt, das ich getragen,
Und jeder Hieb den ich geschlagen,
Die sollen verwünscht mir sein.
Herr Gawein, lieber Herre mein,
Was mag ich sprechen mehre,
7530 Als daß ich Euch ehre
Als Euer Ritter und Euer Knecht?
Das ist mein Wille und mein Recht.
Ihr habt so oft mich geehrt,
Und zum Sieg gekehrt
7535 Was ich irgend begann,
Daß ich größeren Ruhm gewann
In allen Landen und Reichen,
Als ich allein je mocht' erreichen.
Könnt' ich Euch das entgegnen,
7540 Mit höchsten Ehren Euch segnen,
Deß wollt' ich allzeit werden froh:
Nun kann ichs anders nicht als so,
Daß ich Eu'r Iwein
Stets bin und war und werde sein,
7545 Bis auf heut, den einen Tag,
Den ich mit Recht wohl nennen mag
Die Galle in diesem Jahr.
Auch halt' ich, das ist wahr,
Weder die Hand mir, noch mein Schwerdt
7550 Solches Unheils werth
Daß sie auf Euch geführt den Streich.
Ich verfluche Schwerdt und Tag zugleich,
Und soll die unverständ'ge Hand
Ihrer Buße selber sein ein Pfand,
7555 Das ich als Bürgschaft gebe,
Euch zu dienen so lang ich lebe.
Herr Gawein, dennoch möchtet Ihr
Nicht besser gerochen sein an mir,
Denn mir nahm sie die Ehren
7560 Um Euren Preis zu mehren.
Sie hat sich selbst so schwach gewehrt,
Daß Euch der Sieg ward bescheert.
Den sichr' ich Euch in Euer Gebot,
Denn das weiß unser Herr und Gott
7565

Daß ich sieglos bin:
Ich geh' als Euer Gefang'ner hin.«

»Herr und liebster Geselle mein,«
Sprach da mein Herr Gawein,
»Nie sollten meine Ehren

7570 Durch Eure Schmach sich mehren! –
Dem Ruhm frag' ich nimmer nach,
Der meinem Freunde brächte Schmach.
Was hülfe mir's mich selbst belügen?
Und wollt' ich um den Sieg Euch trügen,
7575

So haben's alle hier gesehn,
Was unter uns ist geschehn.
Ich sichre und ergebe mich:
Der Sieglose, der bin Ich.«

Da entgegnet' ihm Herr Iwein:

7580 »Nimmer unter uns Zwei'n
Mag solche Sicherheit geschehn,
Noch kann ich je das zugestehn.
Ja, kämt Ihr fremd und ungenannt
Aus dem fernen Russenland,
7585 Ehe ich nochmals wagte mit Euch den Streit,
Fürwahr, eh böt' ich Sicherheit;
Drum stell' ich sie alsogleich.«
»Nein Herr Geselle, ich sichre mich Euch,«
Sprach mein Herr Gawein.
7590 So währte unter den Zwein
Ohne Schmeicheln lange Zeit
Dieser freundliche Streit,
Bis der König und seine MassenieMassenie hieß die Genossenschaft aller zum Hause oder zum Hofstaat eines Fürsten gehörigen Personen: altfranzösisch maisonie, masnie. So lange ein Ritter sich zur Massenie zählte, pflegte er seines Gebieters Wappen zu tragen. – Die Zuschauer zerbrachen sich noch den Kopf, während der König den Hergang schon errathen hat.
Errieth und fragten wie
7595 Unter diesen Leuten
Die Minne sei zu deuten
Dem Hasse also nah,
Den man zuvor an ihnen sah;
Da ward's ihm bald erklärt.
7600 Sein Neffe sprach, der Degen werth:
»Herr, das woll'n wir gern Euch sagen,
Daß Ihr nicht denkt, wir seien Zagen,
Und Niemand hege den Wahn,
Es sei aus List von uns gethan,
7605 Das Weiterkämpfen abzustellen.
Wir waren vorher Gesellen,
Und hatten deß nicht Kunde,
Bis jetzt auf diese Stunde;
Nun wohnt kein Haß mehr unter uns Zwein.
7610 Ich, Euer Neffe Gawein,
Habe gestritten wider ihn,
Dem ich dienstgetreuer bin
Als in der Welt je einem Mann,
Bis er zu fragen begann
7615 Wie ich wäre genannt.
Da ihm mein Nahme ward erkannt,
Da nannt' er gleichfalls sich,
Und aller Haß entwich,
Und soll uns nichts je wieder entzwein:
7620

Es ist mein lieber Gesell' Iwein.

Was ich Euch sagen will, das glaubt:
Hätt' ihm die Nacht den Kampf erlaubt,
So brachte meine Tapferkeit
Und mein Unrecht mir Leid.

7625 Die Jungfrau, für die ich fechte
Ist mit Nichten im Rechte;
Mit Recht steht ihre Schwester hie.
Nun half auch Gott dem Unrecht nie,
Drum mußt' ich fallen von seiner Hand,
7630 Hätte mir's nicht die Nacht erwandt.
Weil nun also steht mein Spiel,
So ist mir's lieber viel
Nachdem ich schlechtes Glück gefunden,
Daß mein Gesell' mich überwunden,
7635 Als daß er mich erschlagen.« –
Der Rede begann sein Freund zu klagen,
Und ward vor Scham und Schmerzen roth,
Als jener ihm Ehre bot
Und Ruhm mehr als genug.
7640 Solch' Preisen Herr Iwein nicht ertrug,
Und überbot den Andern weit.
Ohne Haß war Zorn und Streit,
Und viel der Reden geschah,
Daß man Jeden der beiden sah
7645 Des Andern Lob mehren,
Und selber zumeist ihn ehren.
Deß freute der König sich.
Er sprach: »Ihr müßt auf mich
Vertraun, den Kampf zu schlichten;
7650

Ich hoff' ich werd ihn richten
Daß es Euch beiden wohl genüge,
Und meinem Wunsch sich füge.«

Dem Ausspruch neigten die beiden.
Da hieß er die Schwestern hin bescheiden,

7655 Und sprach: »Wo ist nun die Magd,
Die ihrer Schwester widersagt
Durch störrischen Uebermuth
Ihr Erbestheil und fahrend Gut,
Das der Vater bestimmt für sie?
7660 Da sprach sie hastig: »Ich bin hie.«
Als sie sich so versprach zuhand,
Und selbst ihr Unrecht gestand,
Das freute den König sehr.
Zu Zeugen rief er alle her,
7665 Und sprach: »So habt Ihrs laut erklärt!
So viele haben's gehört,
Ihr könnt nicht mehr entkommen.
Und was Ihr habt genommen,
Müßt Ihr der Schwester wieder geben,
7670

Wollt Ihr nach meinem Ausspruch leben.«

»Nein, Herr König, sprach sie, um Gott!
Hier ruht auf Euerm Gebot
Beides, Gut und Leib.
Es spricht ja leicht im Eifer ein Weib

7675 Was sie nicht sprechen sollte.
Wer vergelten wollte
Was Weiber sprechen und schelten,
Der müßte viel vergelten.
Wir Frau'n bedürfen alle Tage
7680 Daß man dumme Rede uns vertrage;
Sie klingt zuweilen hart und ist
Dennoch ohne gefährliche List;
Verfänglich und doch ohne Haß;
Wir halten nicht immer rechtes Maaß.
7685 Hab' ichs in Worten auch verfahren,
Ihr solltet Eure Pflicht doch wahren
Daß Keiner Gewalt mir thut.«
Er sprach: »Ich laß' Euch Euer Gut,
So thut mit der Schwester Ihr.
7690 Das Urtheil befahlt Ihr mir;
Auch hat die arme Gute
Mit arglosem Muthe
Auf mich gebaut ihr Heil,
Der gebührt nach allem Recht ihr Theil.
7695 Stimmen wir beide ein,
(Es bekennt mein Neffe Gawein
Er sei besiegt im Streit,)
So bringt Euch des Gerichts Bescheid
Um Land und Gut und Ehre.
7700 Drum mögt Ihr immer mehre
Ruhm und Heil gewinnen,
Gebt Ihr was sie verlangt mit Minnen.«
So sprach er, denn ihm war bewußt
Sie trag' in ihrer Brust
7705 Also hartes Gemüthe,
Daß weder Recht noch Güte
Noch Bitten ihr das Mind'ste galt.
Hier braucht' es Furcht oder Gewalt;
Nun schreckte sie sein Wort.
7710 »Gebt mir, sprach die Magd sofort,
Mehr noch minder nicht,minre noch me, Alliteration.
Als mir Euer Gebot zuspricht;
Ich will und muß gewähren
Was Ihr nicht wollt entbehren:
7715

Ich theil' ihr Leute und Land,
Deß seid ihr Bürge für mich, und Pfand.«

Da sprach der König: »Das nehm' ich an.«
Weil er entschied als Obmann,
Ward alles wohl beendet,

7720 Verbürget und verpfändet,
Daß sie ihr Erbetheil empfing.
Der König sprach, als dies erging:
»Neffe Gawein, entwaffne Dich:
Auch Herr Iwein entwaffne sich,
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Denn Ruhe ist Euch beiden noth.«
Da thaten sie was er gebot.

Nun war der Leun entkommen
Aus der Haft von der Ihr vernommen,
Und hatte gesprengt sein Gitter.

7730 Er folgt' auf seiner Spur dem Ritter
Bis er ihn erkannt,
Und kam in Sprüngen gerannt.
Da hielt keiner Stand,
Von Furcht war jeder übermannt:
7735 Es flohen Mann und Weib
Zu retten Leben und Leib,
Bis daß Herr Iwein sprach:
»Er thut Keinem ein Ungemach,
Er ist mein Freund und suchet mich.«
7740 Nun erst erklärten sie sich
Daß Er der Degen fehlesfrei
Mit dem Löwen sei,
Von dem sie Wunder hörten sagen,
Und der den Riesen hatt' erschlagen.
7745 »Lieber Gesell', sprach Herr Gawein,
Nimmer werd' ich mirs verzeihn,
Daß ich solchergestalt
Eure Wohlthat Euch vergalt.
Ihr schlugt den Riesen treugesinnt;
7750 Deß jubelte mein Schwesterkind,
Denn Ihr entbotet mirs durch sie.
Ihn hat für Euch, sprach sie allhie,
Der Ritter mit dem Leun erschlagen.
Ihr wolltet Ihr nicht sagen
7755 Wie Ihr wärt genannt.
Da sucht' ich den ich nirgend fand,
Und dankt' ich wußte nicht wo noch wem;
Doch galt mein Segen dem
Der um mich bestand die Noth;
7760 Und hindert mich nicht der Tod,
Vergelt' ich's einst noch wie ich soll:
Ich erkenn' Euch an dem Löwen wohl.«
Drauf lief der Löwe zu ihm her,
Seinem Herrn zeigt' er
7765 Freude und Freundschaft
Mit aller Treu und Kraft,
Wie ein stummes Thier dem Mann
Freundschaft erzeigen kann.