| Ich kam ins Dorf, die Häusernacht Erscholl von meinem Schritt, Das Öllicht hielt geringe Wacht, Müd lief mein Schatten mit. Ein greiser Weber sprach mich an Und bot mir Brot und Bett, Gastfreundlich wie ein Fischermann Vom See Genezareth. Die Stube drinnen war gekälkt, Der Boden weiß von Sand, Und hinterm Holzkreuz stak verwelkt Der Palmstrauß an der Wand. Ich aß und trank und legte mich Aufs Lager, froh der Ruh', Der Alte auf den Zehen schlich Und klinkte sachte zu. Der Mond ging auf und füllte hell Die Stube, noch im Traum Sah ich des Webstuhls Holzgestell Mit Schiff und Kettenbaum – Das Schiffchen aber flog nicht mehr, Die Lade ruckte nicht, Wie durch ein abgrundtiefes Meer Drang her gebrochnes Licht. Und auf der Bank saß lange schon Kein fleißiger Weber mehr, Verschollen waren Takt und Ton, Die Schäfte staken schwer In Mulm und Sand, und wirr und lang In zeitenloser Flut Am Stuhle schwankte Moos und Tang Bei grauer Muschelbrut. Durchs Garngewirr die Qualle zog, Seeigel stiegen quer, Der grünen Algen Fäden bog Die Strömung hin und her. Ich sah das bleiche Holzgestöck, Das in den Fluten schwang, Da saß auf morscher Bank der Nöck, Der alte Sagen sang. Er sang von Dorf und grüner Trift Im alten Weberland, Er sang von einer Heiligen Schrift In frommer Weber Hand, Er sang von der Dämonenzeit, Es brach der alte Kreis, In staubigen Hallen hoch und weit Maschinen liefen heiß. Und der Selfaktor breit und lang Ging in der Spinnerei, Und Mädchen liefen längs dem Strang, Bis ihre Zeit vorbei – O Spinnerin, o Spulerin, Nie lief dein Fuß durchs Gras, In Dämmerung ging dein Tag dahin, Trüb glomm das Licht durchs Glas. Ihr Weber, früh verkrümmt und schief, Wie sich der Rücken bog – Vom Kettenbaum zum Zeugbaum lief Der Baumwollstrang und sog Aus euren Leibern Seim und Saft Und kürzte euren Tag, In der Fabriken grauer Haft Bei schwerer Stühle Schlag. Baumwolle bleichte Flur und Feld Und hing im dürren Wald, Baumwolle hielt umgarnt die Welt, Gewitterschwarz geballt, Verdunkelt war der Sonne Glut, Dann brach es heulend los, Und es begrub die große Flut Das Land in ihrem Schoß. * * * Ich fuhr aus wirrem Schlaf empor, Der Webstuhl war im Gang, Des Alten Gruß drang an mein Ohr, Darin der Nöck noch sang. Ich schied und ging, und lang noch scholl Des Webstuhls Melodie, Am Horizont unheimlich quoll Der Rauch der Industrie. |