| In das Leben war er fremd gestellt, Gleich dem Seestern auf dem Sandgestade, Unwahrscheinlich war's, daß er die Pfade Wandeln könnte durch die wirre Welt. Aber tastend ging er in die Schräge, Windend sich um Stein und Hindernis, Schon vom ersten Tag an rollte träge Ihm das Blut wie schwere Finsternis. In sein Dasein strahlte nie ein Stern, Der ihn hätte jäh entflammen mögen, Und es war, als ob die Jahre zögen Teilnahmlos auf Straßen weit und fern, Während er für sich im stillen Kreise Seine schattenhaften Spiele trieb, Und verloren abseits der Geleise Ein verstummtes fremdes Wesen blieb. In vier Wände schloß sich seine Welt, In Papieren raschelte sein kleines Dasein – dennoch voll des bunten Scheines, Wenn auch rings von Dunkelheit umstellt. Denn ein jeder Lebensfunke – mag Er auch irr verzerrt sein – ist ein Spiegel, Darin Gottes Antlitz jeden Tag Aufscheint wie ein untilgbares Siegel. Also war auch dieses Sein erfüllt Von dem Abglanz eines wunderbaren Universums, kleine Dinge waren Mit des Abenteuers Glanz umhüllt. In den Akten schwamm er wie in Meeren, Hinter Klippen rief er nach dem Land, Doch beim Ein- und Auslauf seiner schweren Mappe war er wie ein Kommandant. Nur der Übergang war ihm gefährlich In den Abend, groß und unbekannt, Auf geländerlosem, schwankem Band Schlich er heim, doch wenn der Urlaub jährlich Ihn gewohnten Haltes ganz beraubte, Dann vermochte er nur mühsam sich Noch zu retten, wo er Boden glaubte, In des Traumes Reiche, innerlich. Und er saß versunken hinterm Buche, Wo die Marken in den bunten Reihn Ihn verzauberten, als ob das Sein Seinen Grund in Zahl und Stempel suche, Oder er verwandte lange Stunden Prüfend, ordnend, beim Herbarium, Wo die Gräser, die er aufgefunden, Zwecklos lagen, gleich ihm dürr und stumm. Seine Hände waren weiß und fest, Seine Augen waren unermattet, Nur die Stirn war haltlos und verschattet In der wirren Haare moosigem Nest. Wie ein Motor schlug sein Herz beständig In der Brust, der nicht vom Leid verletzten, Und sein Blick ging ratlos und lebendig, Gleich, als sähen ihn die Vorgesetzten. Da er sich und aller Welt mißtraute, Wich er auch dem Tode aus im Bogen, Hundert Jahre wär er noch gezogen – Doch da Gott dies Körnlein reif erschaute, Rief er Einen aus der Schar der dunkeln Todesengel – der verlockte ihn In das Feld mit eines Irrlichts Funkeln, Rührte ihn und raffte ihn dahin. |