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Die Facezien des Poggio Fiorentino

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von Gian Francesco Poggio Bracciolini

Verlag: Georg Müller | Jahr: 1906 | Übersetzer: Hanns Floerke

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Kapitel 40

38. Von einem Klosterbruder, der eine ganz kurze Predigt hielt.

In einem Flecken unserer Berge waren aus verschiedenen Orten viele Leute zum Fest des heiligen Stephan zusammengeströmt. Ein Klosterbruder sollte die übliche Predigt ans Volk halten; es war aber schon spät, die Priester hatten 45 Hunger, und, besorgt, die Predigt möchte zu lange dauern, flüsterte daher einer und gleich darauf ein zweiter dem zur Kanzel hinaufsteigenden Bruder die Bitte ins Ohr, es doch möglichst kurz zu machen. Dieser ließ sich leicht überreden und begann nach der üblichen kurzen Einleitung: »Liebe Brüder! Als ich vergangenes Jahr von dieser Stelle zu Euch von der Heiligkeit des Lebens und den Wundern dieses unseres Heiligen sprach, vergaß ich nichts von alledem, was ich über ihn hatte erzählen hören, oder was sich in den heiligen Büchern aufgezeichnet findet, und ich glaube, daß Ihr Euch alles dessen erinnert. Aber da ich nun nicht erfahren habe, daß er seitdem etwas Neues vollbracht hat, so macht denn das Zeichen des Kreuzes und sagt das Confiteor und was sich daran anschließt.« Und damit verließ er die Kanzel.