Friedrichs von Logau Sinngedicht
Verlag: Weidmannischen Buchhandlung | Jahr: 1759
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Erstes Buch.
(1)
Von meinem Buche.
Daß mein Buch, sagt mir mein Muth, |
(2)
Der May.
Dieser Monath ist ein Kuß, den der Himmel giebt der Erde, |
(3)
Steuer.
Wo Venus weiland saß und den Adonis küßte, |
(4)
Ueber das Fieber einer fürstlichen Person.
Unsre Fürstin lieget krank. Venus hat hat ihr dieß bestellt, |
(5)
Schlachten.
Es bleibt in keiner Schlacht itzt vierzigtausend Mann. |
(6)
Grabschrift eines lieben Ehegenossen.
Leser, sieh! Erbarme dich dieses bittern Falles! |
(7)
Hoffnung.
Auf was Gutes, ist gut warten; |
(8)
Spanien.
Spanien liegt, wie ein Säugling, an der Ost- und Westenbrust |
(9)
Junger Rath.
Bey Hofe gilt der junge Rath, als wie ein junger Wein; |
(10)
Auf den Thraso.
Thraso rühmte seine Wunden, |
(11)
Eine Schönhäßliche.
Jch kenn ein Frauenbild, das wäre völlig schön, |
(12)
Frey leben, gut leben.
Wer andern lebt, lebt recht; wer ihme lebt, lebt gut: |
(13)
Auf einen glücklichen Schelm.
Dir sey, sagst du, bald gewährt, |
(14)
Von Jobs Weibe.
Wie kam es, daß, da Job sonst alles eingebüßet, |
(15)
Die unartige Zeit.
Die Alten konnten fröhlich singen |
(16)
Auf einen Ehrgeizigen.
Alle Menschen gönnen dir, daß du mögest Cäsar werden; |
(17)
Auf den Glorilus.
Jhr rühmt die kühne Faust? Ey rühmt den schnellen Fuß, |
(18)
Tod und Schlaf.
Tod ist ein langer Schlaf; Schlaf ist ein kurzer Tod: |
(19)
Eine Heldenthat.
O That, die nie die Welt, dieweil sie steht, gesehen! |
(20)
Lebensbedürfniß.
Was thut und duldet nicht der Mensch um gut Gemach, |
(21)
Krieg und Wein.
Soldaten und der Wein, wo die zu Gaste kommen, |
(22)
Trauen.
Einem trauen, ist genug; |
(23)
Wittwenschaft.
Als Pallas ward von Troja weggenommen, |
(24)
Wahl eines Freundes.
Der sey dir nicht erkiest, |
(25)
Verleumder.
Wer schmäht, und Schmähung hört, dem sey zur Straf erkohren, |
(26)
Steuer.
Wie weise man den Salomo sonst achtet, |
(27)
Gestorbene Redlichkeit.
Man lobt die Redlichkeit, sieht aber keine nicht. |
(28)
Uebereiltes Freyen.
Leicht ist Liebe zu bekommen; |
(29)
Das Land in der Stadt.
Wer nach dem Lande jetzt will auf dem Lande fragen, |
(30)
Johannes der Täufer.
Nicht recht! nicht recht! würd' immer schreyn |
(31)
Bilder.
Wo Bilder in der Kirch ein Ärgerniß gebären, |
(32)
Krieg und Hunger.
Krieg und Hunger, Kriegs Genoß, |
(33)
Auf den Lindus.
Lindus ward einst im Gelag oft mit Worten angestochen, |
(34)
Mäßigkeit.
Mein Tisch der darf mich nicht um Uebersatz verklagen: |
(35)
Glücke wäget die Freunde.
Böses Glück hat diese Güte, |
(36)
Soldatenzucht.
Pescennius, ein römscher Kaiser, |
(37)
Die Vernunft.
Gott gab uns die Vernunft, dadurch uns zu regieren; |
(38)
Neid.
Tugend ist des Neides Mutter: Um der lieben Mutter wegen, |
(39)
Nachgeben.
Wer halbes Recht hat eingeräumet, der räume lieber ganzes ein: |
(40)
Auf den Marcus.
Marcus macht ein Testament, tröst sein Weib mit letztem Willen; |
(41)
Mächtige Diener.
Den großen Elephanten führt oft ein kleiner Mohr: |
(42)
Vom Curtius.
Curtius und seine Frau leben wie die Kinder: |
(43)
Die Gicht.
Die Gicht verbeut dir Wein zu trinken, |
(44)
Beute.
Was man dem Feind entwandt, das heiße, meynst du, Beute? |
(45)
Die Sünde.
Menschlich ist es, Sünde treiben; |
(46)
Auf die Albella.
Albella, wärest du gleich nur ein kalter Stein, |
(47)
Zagheit.
Wäre Schild und Harnisch gut |
(48)
Dienstfertigkeit.
Jch kann nicht jedem thun, was er von mir begehrt; |
(49)
Poetengötter.
Poeten die sollen die Götter nicht nennen, |
(50)
Grabschrift einer schwangern Frau.
Hier liegt ein Grab im Grab, und in des Grabes Grab |
(51)
Trunkenheit.
Wen sein Schicksal heißt ertrinken, |
(52)
An einen kriegrischen Held.
Als aus deiner Sinnen Stärke |
(53)
Ein Vertriebener redet nach seinem Tode.
Was mir nie war vergönnt bey meinem meisten Leben, |
(54)
Ein babylonischer Gebrauch.
Zu Babel wurden schöne Töchter auf freiem Markte feil gestellt; |
(55)
Das trunkene Deutschland.
Weit besser stands um Deutschlands Wohl, |
(56)
Hofstellungen.
Es stecket Ja im linken, im rechten Backen Nein; |
(57)
Auf den Aulus.
Aulus rühmt sich weit und ferne, |
(58)
Der Feind nicht zu verachten.
Mit dem Feinde soll man fechten, vor dem Fechten ihn nicht schmähn; |
(59)
Reichthum.
Wer auf übrig Reichthum tracht, |
(60)
Ein Ehrgeiziger.
Wer viel Aemter will genießen, |
(61)
Von den Steinen der Pyrrha und des Deukalions.
Die Pyrrha und ihr Mann gestreut, was waren das für Steine? |
(62)
Kunst verstummt.
Daß anitzt die Pierinnen, |
(63)
Sparsame Zeit.
Der Mangel dieser Zeit hat Sparsamkeit erdacht; |
(64)
Gottes und des Teufels Worte.
Es hat Gott durch sein Wort dieß runde Haus gebauet, |
(65)
An die Annia.
Mich dünkt, Annia ist niemals jung gewesen. |
(66)
Kleinmüthigkeit.
Hoch kömmt schwerlich der, der doch |
(67)
Die Liebe.
Wo Liebe zeucht ins Haus, |
(68)
Auf den Hornutus.
Hornutus las, was Gott Job habe weggenommen, |
(69)
Auf den Kunimundus.
Kunimundus giebt sich an, |
(70)
Wahrheit.
Fromme Leute klagen sehr, daß die Wahrheit sey verloren. |
(71)
Des Krieges Raubsucht.
Als Venus wollte Mars in ihre Liebe bringen, |
(72)
Spieler.
Spielen soll Ergetzen seyn? |
(73)
Vorige und itzige Kriege.
Was taugt der alte Krieg? Der neue Krieg ist besser; |
(74)
Ja.
Viel Sprachen reden können steht einem Hofmann an — |
(75)
Auf die Jungfer Dubiosa.
Dubiosa ist sehr schön, reich, geschickt und sonst von Gaben, |
(76)
Ein ehrliches Weib.
Die Ehre ziert das Weib, ein ehrlich Weib den Mann: |
(77)
Zuversicht.
Hat Gott mich ohne mich gebracht in dieses Leben, |
(78)
Plauderer.
Wer immer sagt und sagt, und ist doch schlecht belehrt, |
(79)
Ein Proceß.
Ein Kläger kam und sprach: Herr Richter, ich bekenne, |
(80)
Die Zeit vertreiben.
Laßt das Klagen unterbleiben, |
(81)
Die Jugend.
Wo Tugend Glück beherrscht, und Weisheit Unglücksfälle, |
(82)
Nicht zu viel.
Ein rasches Pferd nur immer jagen, |
(83)
Das untreue Vermögen.
Wie schelmisch ist das Geld! Ein jeder sinnt auf Geld, |
(84)
Kunstdichter.
Viel Helden hat es itzt, so hats auch viel Poeten. |
(85)
Gemeine Werke.
Kluge Leute thun zwar auch was die albernen beginnen, |
(86)
Gewohnheit und Recht.
Gewohnheit und Gebrauch zwingt oft und sehr das Recht: |
(87)
Reime.
Werden meine Reime nicht wohl in fremden Ohren klingen, |
*