Neuere politische und soziale Gedichte
Verlag: Th. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Neuere politische und soziale Gedichte“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
An Georg Scherer zu seiner Vermählung mit Marie v. Seht.
Stuttgart, 19. Oktober 1871.
Es hat der Dichter und Antholog
Gepflückt gar manche Blume;
Gar manche, die er selber zog
Zur Lust sich und zum Ruhme;
Manch' andre auch, aus fremdem Beet
Sinnig erlesen, – er versteht
Sich auf das Blumenlesen.
Das sind die Blumen mannigfalt,
Die fromme Dichter hüten;
Das sind im deutschen Dichterwald
Die Knospen und die Blüten;
Die las er aus zu Kranz und Strauß,
Die trug er still ins deutsche Haus,
Zu aller Deutschen Freude.
Er selber doch blieb freudeleer,
Keine Ruh' war ihm beschieden;
Er irrte hin, er irrte her,
Und hatte keinen Frieden:
»O ihr Blumen rings der Dichterflur,
Hätt' ich sonst eine einz'ge Blume nur –
Die Blume treuer Liebe!«
Er ging ihr nach auf Alp und Au,
Suchte Blätter durch und Gräser,
(Er nimmt's ein wenig sehr genau, –
Er ist ein Blumenleser!)
Manch' wackre Blume lacht' ihn an,
Er aber seufzte: »Armer Mann!
Noch immer nicht die Rechte!«
Bis er endlich doch die Rechte sah,
Nach langen bangen Stunden:
»Nun bist du mein! Viktoria!
Nun hab' ich dich gefunden!
Nun halt' ich dich, Marienblum'!«
Sie sprach: »Nimm mich zum Eigentum!« –
Nun kann sein Herz gesunden.
Nun steht er da voll Stolz und Lust,
Ist alles Kummers ledig;
Nun trägt er sie an seiner Brust
Noch heute nach Venedig, –
Kehrt aber bald mit ihr zurück,
Und will, zu Seinem und Ihrem Glück,
Für immer sie behüten!