Alexander Schöppner: Bayrische Sagen
MeistgelesenVerlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979
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Schöneggard
Schöneggard heißt ein Weidefeld am Chiemsee in Oberbayern, das die umliegenden Dörfer gemeinschaftlich besitzen. Nach einer Sage soll Schöneggard von einem Edelmann oder Grafen namens Braunschweig durch Vermächtnis den Einwohnern der Gerichte Marquartstein, Traunstein, Kling, Rosenheim, Aibling, Hohenaschau und Wildenwart geschenkt worden sein. Die Veranlassung dazu war folgende: Der Graf hatte nur einen einzigen Sohn und einen armen Bruder, der außerhalb Bayerns seßhaft war. Dieser hoffte, seinerzeit alles Hab und Gut seines reichen Bruders zu bekommen. Nur des Grafen einziger Sohn stand ihm im Wege. Also schrieb er an seinen Herrn Bruder gar freundschaftlich und bat, er möchte doch seinen Sohn auf einige Zeit zu ihm auf Besuch gehen lassen.
Es geschah. Der Sohn kam voller Freuden zu seinem Onkel. Der ließ ihn aber auf der Stelle ergreifen und töten und in Öl sieden, darauf die Gebeine zum Zeichen des Todes dem reichen Bruder überschicken. Dieser war vor Bestürzung und Kummer außer sich und wollte nicht mehr in der Gegend bleiben, wo er so glücklich mit seinem Sohn gelebt hatte. So verschenkte er Hab und Gut an die armen Bewohner und zog weg.
Noch heutigentags werden für den unglücklichen Grafen in etlichen Dörfern der Umgegend Gottesdienste gehalten und Brotalmosen ausgeteilt.