| Dort bei Göllheim auf dem Felde Schon seit langer Jahre Raum, Von dem Blitze halb zerschlagen, Steht ein alter Rüsterbaum. Trauernd ruht in seinem Schatten Eines Kreuzes steinern Bild, Drauf die Zweige wie zum Schutze Sich herniederbeugen mild. Wohl bedeutsam ist die Stätte, Die ein solches Zeichen schmückt, Das nur selten, wo die Freude Sich gebettet, wird erblickt. Ward ein Mord einst hier begangen, Oder birget wen das Grab, Dem des Freundes Hand ein Zeichen Seiner treuen Liebe gab? Glüh'nde Strahlen wirft die Sonne Nieder in des Tales Schoß, Wo zur Ernte reif die Saaten Harren rüst'ger Schnitter bloß. Aber an den Hügelhängen Hat der Herrscher Machtgebot Andre Saaten aufgepflanzet, Deren Schnitter ist der Tod. In dem bergumkränzten Tale, Hei, wie braust die laute Schlacht, Heute gilt es Kron' und Leben, Messen will sich Macht an Macht. Mördrisch treffen sich die Heere, Und in heißer Kampfesglut, Achten sie nicht ihrer Wunden, Kargen nicht mit ihrem Blut. Lange schwankt des Sieges Waage, Immer wilder tobt der Streit; Jeder ist zum Heldentode Wie zum Siege gleich bereit. Ob auch ganze Scharen sinken, Hingemäht vom scharfen Schwert, Dennoch furchtlos stehn die Kämpfer, Alle höchsten Ruhmes wert. Und der Kaiser, kampfbegierig, Sprenget vor auf hohem Roß, Östreichs falschen Herzog suchend In der Streiter dichtem Troß. »Heute wirst du nicht entrinnen, Wie du, Feiger, oft getan, Reich und Leben sollst du lassen Hier zur Stund'!« ruft er ihn an. Und mit hochgeschwungnem Stahle Dringt der Kaiser auf ihn ein; Jener steht in kalter Ruhe, Unbekümmert um sein Dräun; Hebt das Schwert zum Todesstreiche, Der vernichtend niederfährt Und den todeswunden Kaiser Niederschleudert von dem Pferd. Mittag war's; im nahen Kloster Schlug die Glocke zwölfmal an, Als der hochgesinnte Kaiser Endete die Heldenbahn. Unter Rosseshufen liegend Und mit Staub und Blut bedeckt, Ward die kaiserliche Leiche Nach der Mordschlacht spät entdeckt. Dort bei Göllheim auf dem Felde, Wo geflossen Kaiserblut, Steht ein steinern Kreuz in eines Alten Rüsterbaumes Hut. Schattend neigen sich die Zweige Auf des Helden Totenmal, Leise schauernd, wenn des Frühlings Lüfte wehen durch das Tal. |