Alexander Schöppner: Bayrische Sagen
MeistgelesenVerlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979
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Das Studentenglöcklein zu Würzburg
Auf dem Universitätsgebäude erblickt man im Garten ein kleines Türmchen emporragen. In diesem Türmchen hing früher ein hellklingendes Glöcklein, das man das Studentenglöckchen nannte und das von einem Pedell geläutet wurde, wenn die Kollegien anfingen und wenn Studentenversammlungen stattfanden.
Einst hatten sich mehrere Spaßvögel verabredet, während der Kollegien das Studentenglöcklein wie zum Sturm zu läuten und dadurch die ganze Universität in Alarm und Verwirrung zu bringen. Sie führten ihr Vorhaben wirklich aus und läuteten mit allen Kräften; und siehe da, das Studentenglöcklein, gleichsam aufgebracht über solchen Unfug, riß den Schwengel ab, sprengte das Türmchen auseinander und fiel in den Garten herab. Ein Professor verfluchte das Studentenglöckchen, und seitdem kann kein Glöckchen mehr in dieses Türmchen gebracht werden. Und noch heute ist das Türmchen ohne Glöckchen zu sehen.