Alexander Schöppner: Bayrische Sagen
MeistgelesenVerlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979
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Sossau
Eine halbe Stunde ostwärts von Straubing, inmitten lieblicher Wiesen, liegt die berühmte Wallfahrtskirche Sossau, nach der Meinung alter Chroniken von dem römischen Landpfleger des Donaugebietes Sosius genannt. Die Legende erzählt: Es kam in grauer Vorzeit der heilige Lucius Cyrenäus, ein Jünger des Apostels Paulus, in diese Gegenden. Dieser überredete einen vornehmen Römer namens Acilius Glabrio zu Antenring, anderthalb Stunden von Straubing, eine Kirche zu Ehren der Muttergottes zu bauen. Es wurde aber in späteren Zeiten diese Gegend der Aufenthalt gottloser Räuber, die die frommen Pilgrime anfielen und beraubten, so daß selbst das Gotteshaus Unserer Lieben Frau nicht von dem Blut Ermordeter rein blieb. Da wurde durch göttliche Fügung die Kirche samt dem darin befindlichen Marienbild von Engeln in die Lüfte gehoben und in die offene, freie Flur von Ahlburg versetzt, wo einem Platz mitten in den Feldern der Name »Frauenfleck« geblieben ist.
Weil es aber geschah, daß auch diese Station nicht genug Sicherheit gewährte, so trugen die Engel das Kirchlein noch einmal zuerst auf einen Platz bei Straubing, der noch das »Frauenbrunnl« heißt, von da weiter in der Luft nach Kagers, wo sie auf der sogenannten »Schiffsbraite« Rast hielten, endlich auf die liebliche Wiese von Sossau, wo die Kirche noch heutigen Tages ohne Fundament auf bloßem Grund ruht.