Alexander Schöppner: Bayrische Sagen
MeistgelesenVerlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979
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Das schöne Elselein von Augsburg
Diese war eine kunstreiche Sängerin und Lautenmeisterin des sechzehnten Jahrhunderts. Ihres Ruhmes sind die Zeitbücher voll, ohne daß sie jedoch über ihre Lebensverhältnisse nähere Aufschlüsse geben. Der Sage nach wurde das schöne Elselein zugleich mit den Töchtern der Augsburger Geschlechter dem Kaiser vorgestellt, um seine Kunst hören zu lassen. Der ganze Hof war von seinem Gesang über die Maßen entzückt.
Als Else geendet hatte und die Jungfrauen entlassen wurden, mußte der Schatzmeister des Kaisers jeder ein goldenes Ringlein schenken, für Else aber zog der Kaiser selbsteigen den kostbarsten Ring vom Finger und gebot dem Vornehmsten seiner Begleitung, sie zum Tanz zu führen. Alte Reime lobpreisen die Künstlerin in nachstehender Art:
Ließ sich schön Elslein hören frei
Mit Saitenspiel und Melodei,
Heimlich verborgen an ein'm Ort,
Daß ihre Stimme nur ward ghort;
Gar mancher schwor ein Kreuz und Eid,
Wie daß ein engelische Freud'
Vom Himmel sich begeben hätt'
Und lieblich musizieren tät'.