Alexander Schöppner: Bayrische Sagen
MeistgelesenVerlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979
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Die schwarze Kuh in Schlottenhof
Bei dem Städtchen Arzberg liegt das ehemalige Kloster Schlottenhof. Die Gebäude sind von ausgezeichnet architektonischer Schönheit und so umfangreich, daß das königliche Forstamt bloß das sogenannte Gartenhaus zu seinem Gebrauch für hinreichend gefunden hat.
Im Stall des dortigen Rittergutes ist seit undenklichen Zeiten eine schwarze Kuh gestanden. Diese Kuh hatte das Ansehen eines durch anstrengende Arbeit sehr ermüdeten Rindes: die Augen waren hervorstehend, der Körper mit Schweiß bedeckt. Da gesagt wurde, wenn nicht eine solche schwarze Kuh auf dem bestimmten Platz stünde, würde der Stall durch ein Viehsterben heimgesucht werden, so wurde darauf gehalten, daß stets eine andere schwarze Kuh vorrätig war, im Falle die erstere sterben sollte.
Einmal geschah es, daß die schwarze Kuh in den Boden sank. Als das Tier wieder emporgehoben war, fand sich, daß die Kuh auf einer eisernen Tür, die eine große Tiefe überdeckte, gestanden und auf dieser in die Öffnung hinabgesunken war. Darauf wurde diese mit einer neuen Tür versehen, und die Kuh nahm wieder den gewöhnlichen Platz ein.
Zuzeiten eines Herrn von Benckendorf, dessen Urenkel Schlottenhof noch heute besitzen, starb die schwarze Kuh, und es mußte ihre Stelle aus Mangel einer anderen unbesetzt bleiben. Der damalige Pächter ersuchte seinen Herrn um eine ähnliche Kuh; dieser jedoch, ärgerlich über das Drängen des Pächters, erklärte, er wolle den Schaden tragen, der aus dem Mangel einer schwarzen Kuh entstehen würde. Darauf erkrankte das Vieh des Pächters und starb in kurzer Zeit. Herr von Benckendorf hatte großen Schaden und mußte mit viel Mühe eine solche Kuh herbeischaffen. Von der Zeit an soll alles Vieh gesund geblieben sein.