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Alexander Schöppner: Bayrische Sagen

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von Alexander Schöppner

Verlag: Verlag Lothar Borowsky | Jahr: 1979

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Kapitel 1089

Der Kampf um Mitternacht

Von J. Seybold. – Sage von Steinernkreuz bei Selb.

Wo Bayerland am Böheim grenzt,
Liegt, roh aus Stein gemeißelt,
Ein Kreuz, vom Heidekraut bekränzt,
Das Sturm und Regen geißelt.
Dort ist es öd und menschenleer;
Die alten Hütten stehn nicht mehr;
Die moosbedeckten Felder
Umnachten dichte Wälder.

Dort schläft ein Schwedengeneral
Im Kreis gefallner Brüder,
Die Schar steigt Jahr um Jahr einmal
Aus kaltem Bette wieder.
Zerfetzte Fahnen wehn voran,
Trompeten schmettern; Reiter nahn
Mit grimmigen Gebärden
Auf raschen, luft'gen Pferden.

Gerippe laden das Geschoß
Und richten seine Schlünde;
Der General besteigt das Roß –
Und wie die Braut der Winde
Wogt donnernd sein Kommandowort
Durch dichtgereihte Scharen fort;
Hoch über ihnen heulen
Die aufgeschreckten Eulen.

Wie Blitze zuckt's durch Staub und Dampf;
Es krachet hin und wider;
Bald vor-, bald rückwärts wogt der Kampf;
Rings stürzen Kämpfer nieder.
Der bleiche Schädel hüpft vom Rumpf;
Es röchelt bang, es röchelt dumpf;
Die schwarzen Krieger steigen
Weg über blut'ge Leichen.

Gesunken ist der General;
Vier bärt'ge Männer tragen
Ihn fort zum Grab; und durch das Tal
Ertönt ein lautes Klagen.
Die Feldmusik klingt matt und bang
Als wie des Sterbeglöckleins Klang,
Der Krieger Schar entweichet,
Denn Mitternacht entfleuchet.