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ie die Anmut einer schönen Frau durch ein geschmackvolles Gewand erhöht wird, so veredelt sich der Reiz eines gut zubereiteten Gerichtes durch die Feinheit seiner Aufmachung und Darreichung. Zwar hat auch hier der etwas überladene Prunk vergangener Richtungen einer neuen Sachlichkeit weichen müssen, aber immer wird es einer sorgsamen, »mit Liebe« kochenden Hausfrau willkommen sein, kleine Winke, Anregungen und Rezepte zu finden, welche einfach genug und geeignet erscheinen, ihre Freude an der Bereitung leckerer Dinge zu vertiefen, und sie in den Stand setzen, mit verhältnismäßig geringen Mitteln Behagen und Frohsinn um sich zu verbreiten. Wo aber fühlen wir uns wohler als
Ob kleine oder große Gesellschaft, einfache oder sehr gewählte Speisenfolge, stets gehören frische Blumen in gutgeformter, sicher stehender Vase auf die Tafel; sie geben ihr ein festliches Aussehen. Auch beachte man, daß jeder Gast genügend Platz hat; denn es speist sich betrübt in drangvoll fürchterlicher Enge. Das einst so beliebte Falten und Brechen der Mundtücher zu künstlichen Figuren ersetzt man heute gern durch einfaches Zusammenlegen in Form eines Dreiecks etc.; es ist auch entschieden hygienischer. Das Gedeck des Gastes bei einem feineren Mahle sei ungefähr so:
Schematische Anordnung eines Einzel-Gedecks.
Allerlei Obstkörbchen, Schalen mit feinem Backwerk, frischem Obst und Kompott vervollständigen das einladende Bild. Die Bedienung (Hausangestellte erscheinen nur in weißen Latzschürzchen) sei geschickt und geräuschlos; die Schüsseln werden auf der flachen, linken, mit einem gefalteten Mundtuch bedeckten Hand getragen und dem Gast auf der linken Seite gereicht, während man leere Teller und gebrauchte Bestecke mit der rechten Hand von der rechten Seite fortnimmt und die frischen Teller ebenfalls von rechts aus aufstellt. Rascher Tellerwechsel ist selbstverständlich. Man serviert zuerst der ältesten oder im Range am höchsten stehenden Dame; bei einem Hochzeitsessen beginnt man bei der Braut. Außer der Suppe und der Vorspeise wird jeder Gang zweimal angeboten. Leere Flaschen müssen sofort ersetzt werden; ebenso seien Karaffen mit frischem Wasser zur Hand, falls solches gewünscht wird. – Das Decken eines gemütlichen Kaffee- oder Teetisches ist so sehr Allgemeingut, daß wir uns nur noch in Umrissen den kulinarischen Tageslauf eines lieben Gastes ansehen wollen.
Das erste Frühstück. Schokolade, Kakao oder Kaffee mit Sahne und Würfelzucker, Brötchen, Zwieback, Butterkuchen, feiner Aufschnitt, eine Eierspeise, frisches Obst, Butter, Honig, Marmelade.
Das Gabelfrühstück. Kraftbrühe in Tassen, garnierte Koteletten, Käseschüssel, Torte, Mokka, Liköre oder Portwein, Bordeaux etc.
Zur Kaffeestunde. Kaffee oder Schokolade, Schlagsahne, Obsttorten, Napfkuchen, kleines Gebäck, Brötchen, Butter und Honig.
Fünfuhrtee. Tee, Torten, Sandkuchen, Biskuits, Waffeln, Früchte, kleines Backwerk, Gefrorenes.
Mittagstisch. Kalte Vorspeise (weißer Burgunder oder herber Sekt), Suppe (Portwein, Sherry oder Malaga), Fischgang (feiner Mosel oder Rheinwein), warme Fleischspeise (Bordeaux), Nachtisch (Sekt). Dann Käseplatte.
Abendessen. Klare Brühe in Tassen. Fisch, Geflügel, kalte Pastete, Creme. Hinterher Schaumwein oder Bowle.
Kaltes Abendessen. Tee, kalter Braten, Fisch- oder Fleischsalat, Wurst, Zunge, Sardellenbutter, Kaviar, Sülze, Mayonnaise, allerlei Schnittchen, Butter und Käse.
Dies alles nach Geschmack und Geldbeutel beliebig abzuwandeln.
Es folgen nun eine Reihe Rezepte für kleine Speisen, für Backwerk aller Art, für feine, süße Suppen und Kaltschalen, sowie für Getränke. Jeder wird etwas nach seinem Geschmack finden.
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