Sitz ich dann vor meinem Hause, munter, wie ein Vollmond glänzend, Neben mir ein holdes Mädchen, meinen Scherbet mir kredenzend. Nun, wenn Allah so gewollt hat, kann es wohl einmal geschehen, Daß der Sultan, Sohn der Sonne, wird an mir vorübergehen. Hurtig vor dem Herrn der Erde in den Staub werd' ich mich bücken, Seines Fußes heil'ge Spuren werd' ich küssen voll Entzücken: Dann vielleicht auf meinem Schmerbauch, auf den Wangen ohne Runzeln Läßt er dann sein Auge ruhen und er spricht zu mir mit Schmunzeln: »Wie so glatt sind deine Wangen! und dein Bauch, was der so rund ist! Daraus seh' ich, Knecht der Knechte, daß dein Beutel sehr gesund ist. Also gleich von Allem sollst du mir die Hälfte wiedergeben! Schenken werd' ich dir die andre und zum Vezir dich erheben.« Also wird der Sultan sprechen: und mit gnädigem Behagen (Wenn dies nicht zu viel ist) gibt er einen Tritt mir auf den Magen. Selig werd' ich mich erheben, meine Schätze flink zu theilen, Und als Vezir an die Stufen seines Thrones werd' ich eilen. Fragt Ihr nun, wie ich es fürder als Minister werde treiben? Nun, versteht sich: als Minister! Alles wird beim Alten bleiben. Nur die Steuern werden steigen, nur die Galgen sich vermehren, Um Verweichlichung und Luxus von den Bürgern abzuwehren. Tag für Tag, mit ernster Miene, in dem Divan werd' ich sitzen, Alle, die mein Antlitz schauen, sollen vor Bewundrung schwitzen. Sollten mal Parteien kommen, wo ich nicht weiß zu entscheiden: Hundert Prügel dann dictir' ich salomonisch allen beiden. – Käme dann vor meine Stufen ein europamüder Dichter, So ein Dingelstadt und Herwegh oder ähnliches Gelichter, Die mit ihren frechen Liedern, Freiheitjubel, Freiheitschmerzen, Wahre Drachenzähne streuen in der Bürger treue Herzen: Nun, nicht wahr? Ihr meint, ich ließe ohne Weiteres sie säcken? Weit gefehlt! in meinen Harem ließ ich diese Bursche stecken, Zu der allerschönsten Sklavin mit den schwärzsten Augensternen – Und ich wette drauf, sie würden ihre Poesie verlernen! Aber will auch das nicht helfen, wider menschliches Vermuthen, Sei's darum! in Gottes Namen singen ließ' ich dann die Guten. Bin ich doch kein deutscher König! und so will ichs ihnen gönnen, Da ich weiß, daß meinen Türken sie ja doch nicht schaden können. Übrigens um die Regierung würd' ich mich nur wenig grämen: Wenn kein Geld im Schatze wäre, würd' ich borgen oder nehmen. Und wenn etwa der Egypter unsre Truppen sollte schlagen – Gott ist groß! Er wird die Feinde, wenn es Zeit ist, schon verjagen. Zwar der Sultan wird mir zürnen und dann wird das Schauspiel enden. Eine Schnur, recht eine hübsche, seidne Schnur wird er mir senden (Dieses auch ist ein Verfahren, das man auch Europas Kronen Ernst und dringend soll empfehlen: denn es spart die Pensionen). Doch mit der gewohnten Demuth seinen Willen würd' ich ehren, Ließ den Bart noch einmal salben, einmal noch den Schopf mir scheeren, Dann die allerliebste Schlinge um die fette Kehle knüpft' ich – Ein Moment! und ohne Weitres in den Garten Gottes schlüpft' ich. Ha, was dort für eine Pracht ist! was für Essen, was für Trinken! Die uns der Prophet verheißen, süße Huri's seh' ich winken – O verdammt, daß ich als Deutscher, nicht als Türke bin geboren: Denn so geht zusammt der Erde auch der Himmel mir verloren. |