Unartige Musenkinder
MeistgelesenVerlag: Hesse & Becker Verlag
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Kapitel 230
6. Der Ewig-Unzufriedene
Dem Mayer war auf dieser Welt
So vieles gar nicht recht,
Und was bereits erschaffen war,
Er gerne ändern möcht.
Zu schwarz war ihm die Winternacht,
Zu licht der Frühlingstag,
Zu leicht ein Mädel, wenn es lacht,
Zu schwer des Alters Plag.
Zu grün am Feld der Wiesenklee,
Der Himmel viel zu blau,
Zu rot des Onkels Bart, o weh,
Zu fett a gfelchte Sau.
Die Sonntagspredigt des Kaplans
War ihm zu breit, zu lang;
Der Mädchen Beine im Ballett
Zu flink, zu zart, zu schlank.
Sein neuer Bratenrock zu weit,
Zu schmal sein Ehebett:
Die Kellnerin zur »fetten Gans«
Zu brav, zu schön, zu nett.
Der Winter war ihm meist zu kalt,
Zu warm der Sonnenschein –
Und ach, an seiner jungen Frau
Etwas sogar zu klein.
Drum blieb der Kindersegen aus –
Sein Weib doch sprach ganz kalt:
Der Grund heißt hier anstatt »zu klein«.
Mein Lieber, bloß: »zu alt«!