Unartige Musenkinder
MeistgelesenVerlag: Hesse & Becker Verlag
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Emil Maar (1842–1930)
Gut Ding will Weile haben
Stiehlst du irgendwo ein Brot,
Mußt du flinke Beine haben.
Denn der Bauer schlägt dich tot,
Morgen wirst du schon begraben.
Stiehlst du irgendwo ein Lamm,
Mußt noch flinkre Beine haben,
Denn dem Großknecht schwillt der Kamm,
Heute wirst du schon begraben.
Stiehlst du eines andern Weib,
Kannst du dich geheim erlaben
An dem schönen Zeitvertreib,
Wirst noch lange nicht begraben.
Ob auch der und jener hetzt,
Und vom Baum es schrein die Raben,
Merkt der Ehmann es zuletzt,
Denn gut Ding will Weile haben.
(Originalbeitrag)
Das Alter
Bist du fünfzig Jahre,
Nennt man dich den alten Mann,
Doch du fängst mit sechzig
Wieder jung zu werden an.
Witwer, die schon siebzig,
Haben noch ein Weib gefreit,
Dachten, daß mit achtzig
Für die Bahre auch noch Zeit.
Wenn sie achtzig werden
Und noch nichts fürs Grab getan,
Sind noch zehn bis neunzig:
Milchbrot schmeckt auch ohne Zahn.
(Originalbeitrag)