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Gedichte

von Ricarda Huch

Verlag: E. Pierson's Verlag | Jahr: 1891

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Kapitel 217

Hoffnung.

Von meines Jammers Lawine verschüttet,
Mußt' ich entbehren die liebliche Luft.
Aber sie wirkt: die mein Leben zerrüttet,
Fühl' ich gehoben, die lastende Gruft.

Bergwinde thaten's, die starken, die reinen,
Tragen heilkräftige Würze mir zu;
Wieder begrüß' ich euch, nenn' euch die meinen,
Schneeige Gipfel in herrschender Ruh'.

Wenn euch die Wolken besuchen und speisen,
Nehmt ihr die Thränen des Himmels in Hut,
Thut sie in Banden und laßt sie vereisen;
Weithin erglänzt die bemeisterte Flut.

So meine Schmerzen möcht' ich überwinden,
Hüten das Naß, das mein Auge geweint,
Bis es, erstarrt zu krystallenen Rinden,
Schimmre im Lichte, das winterlich scheint.

Käme dann einst eine lenzjunge Sonne,
Löste das Eisband mit schmelzendem Blick:
Rauschten sie hin in entfesselter Wonne,
Frühlingsverwandelt, und grüßten das Glück!

*