Peter Altenberg: Prosaskizzen
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Tope
(in "Neues Altes", Berlin 1911)
Ich dichte hie und da auch Toiletten. Immer nur für eine einzige Dame. Sie ist natürlich lang und ganz schlank, wie ein Marathonsieger, hat eine Stumpfnase, Gott sei Dank großen Mund und starke Lippen, hechtgraue Augen, rotbraune Haare und anliegende papierdünne, edelgemuschelte Ohren. Hände und Füße sind lang-schmal. Sie sieht aus wie eine junge slowakische Bäuerin, an der der adelige Gutsherr mitgearbeitet hat.
Ich entwarf die Toilette Tope (Der Maulwurf): Ein seidendünner maulwurfgrauer Samt (Pan), die Bluse ohne Naht, nur wie ein zusammengelegtes Tuch, aber lang. Ein Gürtel, riesig breit, aus dunkelgrauen und weißen Glasperlen, riesige Schließe aus oxydiertem grauen Silber. Riesige kugelige graue Perlmutterknöpfe. Der Rock vollkommen bis hinab zum Zuknöpfen, mit denselben Riesenknöpfen. Grauer Sombrero mit grauem breiten Lederband und weißer, an der rechten Seite herabwallender Straußfeder. Grauer Seidenschirm mit grauem dicken Perlmuttergriff. Grauseidene Strümpfe, graue Antilopenhandschuhe, graue Schuhe aus mattem dünnem Leder.
Ich sagte zu der Dame: »Machen wir zusammen ein Gedicht –.«
»?!?«
»Ich komponiere eine Toilette, und Sie tragen sie. Das ist das schönste Gedicht!«