Peter Altenberg: Prosaskizzen
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Verzauberte Prinzessin
(in "Pròdromos", Berlin 1906)
4 Uhr nachmittags. Sonne, Sonne, Sonne und Wasserspiegel. Er fuhr im Boote an der Schwimmschule vorbei. Da stand auf der letzten Stufe, die in den See führte, eine Fünfzehnjährige, aschblond, in einem weißen Trikot, das ganz naß war und rosig durchschimmerte. Er lud sie ein, sich an das Boot anzuhängen. Er fuhr in die wunderbare Bucht mit Haselstauden und Schilf. Ihre nackten Arme waren unbeschreiblich schön und das Antlitz mit den runden Augen und der breiten Stumpfnase das einer Wassernixe.
Wenn er sie am Lande traf, war sie das armselige Bürgermädchen.
Da sagte er verlegen: »Wie geht's, Annerl?!?«
Um 4 Uhr nachmittags aber hing sich jeden Tag die süße Wassernixe in weißem Trikot mit nackten Armen an sein Boot an. Er sprach nie ein Wort mit ihr, berührte hie und da zärtlichst ihre süßen nassen kalten Hände an dem Bootrande.
Wenn er sie am Lande traf, war sie das armselige Bürgermädchen.
Da sagte er verlegen: »Wie geht's, Annerl?!?«