Otto von Greyerz: Sprachpillen
MeistgelesenVerlag: Verlag A. Francke AG. | Jahr: 1938
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Zwächeli
Auch ein aussterbendes Wort, obgleich es mehr oder weniger schriftdeutsch als «Zwehle» neben «Quehle» fortlebt. Leute, die ihre Bildung betonen wollen, sagen jetzt Handtuch. Und doch ist das Wort von guten Eltern und hat sich aus dem Germanischen auch in romanische Sprachen fortgepflanzt, wie italienisch tovaglia, tovagliolo und französisch touaille beweisen; vgl. auch englisch towel. Diese Formen mit anlautendem t erklären sich aus dem unverschobenen germanischen t, das in althochdeutschem «twahila» (neben dwahila) noch vorkommt. Twahila aber ist eine Ableitung von altem twahen, später zwahen und zwagen = waschen. Twahila und seine alemannische Form Zwächele, verkleinert Zwächeli, bedeuten also Waschtuch, Waschtüchlein. Der Schaffhauser Stockar, in seiner Pilgerfahrt von 1519, braucht den Ausdruck Zwachtuch für Waschtuch, und im Dänischen gibt es ein Wort der Kirchensprache «Tvaetning» für Abwaschung (Ablution), das sich von tvaette = waschen ableitet. Wir haben uns des «Zwächeli» nicht zu schämen.