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Otto Erich Hartleben: Gedichte

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von Otto Erich Hartleben

Verlag: S. Fischer Verlag | Jahr: 1911

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Kapitel 50

Die Sternenwacht

O jene Tage sind so fern,
da einst Genuß des Menschen Los.
Die Zeit ist hell vom Morgenstern,
doch sonnenlos.

In dieser Nacht, im Sternenschein
schläft rings das Volk auf feuchter Streu,
stets von der Träume bunten Reihn
genarrt aufs neu.

Kein Zagen tritt an sie heran,
was ihnen träumt, scheint ihnen wahr:
vergessen dieser Schatten Bann,
fern die Gefahr.

Doch die vom Fels im Sternenstrahl
gen Osten wenden ihr Gesicht,
sie fühlen dieses Dunkels Qual,
sie träumen nicht.

Die großen Augen, hoffnungskühn,
erflehn die Stunde, da es tagt –
die großen Augen bangend glühn
durch tiefe Nacht.

Und ihre Schwerter, blank und klar,
funkeln im Sternenlicht –
sie kennen dieser Nacht Gefahr,
sie träumen nicht!

Erwacht vom Traume bin auch ich
und schäme mich der langen Ruh:
ob manches schöne Bild entwich –
noch leuchtest du,

du Hoffnung einer lichtren Welt,
du Sternbild, das im Osten flammt
und jedes Menschen Herz erhellt.
das gottentstammt!