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Otto Erich Hartleben: Gedichte

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von Otto Erich Hartleben

Verlag: S. Fischer Verlag | Jahr: 1911

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Kapitel 150

Französisches Wiegenlied

In meines Vaters Garten –
blühe mein Herz, blüh auf –
in meines Vaters Garten
stand ein schattiger Apfelbaum –
Süßer Traum –
stand ein schattiger Apfelbaum.

Drei blonde Königstöchter –
blühe mein Herz, blüh auf –
drei wundersame Mädchen
schliefen unter dem Apfelbaum –
Süßer Traum –
schliefen unter dem Apfelbaum.

Die allerjüngste Feine –
blühe mein Herz, blüh auf –
die allerjüngste Feine
blinzelte und erwachte kaum –
Süßer Traum –
blinzelte und erwachte kaum.

Die Zweite fuhr sich übers Haar –
blühe mein Herz, blüh auf –
die Zweite fuhr sich übers Haar,
sah den roten Morgensaum –
Süßer Traum –
sah den roten Morgensaum.

Sie sprach: Hört ihr die Trommel nicht –
blühe mein Herz, blüh auf –
sie sprach: Hört ihr die Trommel nicht
hell durch den dämmernden Raum –
Süßer Traum –
hell durch den dämmernden Raum?

Mein Liebster zieht zum Kampf hinaus –
blühe mein Herz, blüh auf –
mein Liebster zieht zum Kampf hinaus,
küßt mir als Sieger des Kleides Saum –
Süßer Traum –
küßt mir als Sieger des Kleides Saum!

Die Dritte sprach und sprach so leis –
blühe mein Herz, blüh auf –
die Dritte sprach und sprach so leis:
Ich küsse dem Liebsten des Kleides Saum–
Süßer Traum –
ich küsse dem Liebsten des Kleides Saum. –

In meines Vaters Garten –
blühe mein Herz, blüh auf –
in meines Vaters Garten
steht ein sonniger Apfelbaum –
Süßer Traum –
steht ein sonniger Apfelbaum!