Montesquieu's Persische Briefe
MeistgelesenVerlag: Verlag von Philipp Reclam jun. | Jahr: 1884 | Übersetzer: Eduard Bertz
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Siebenundsiebzigster Brief. Ibben an Usbek in Paris.
Mein lieber Usbek, nach meiner Überzeugung betrachtet ein rechter Muselmann die Schläge des Schicksals nicht als Züchtigungen, sondern als Warnungen. Das sind köstliche Tage, wenn wir für unsere Sünden Buße thun; unsere glückliche Zeit dürfte weit kürzer sein. Beweist nicht alle unsre Ungeduld, daß wir gern ohne den glücklich sein möchten, von dem alles Glück kommt, weil er die Seligkeit selbst ist?
Ist ein Wesen die Vereinigung von zweien, und stellt sich in der notwendigen Erhaltung dieser Vereinigung unsere Unterwerfung unter die Verordnungen des Schöpfers dar, so durfte man ein Gebot der Religion darauf begründen; wird durch die notwendige Erhaltung dieser Vereinigung das menschliche Handeln besser verbürgt, so durfte man sie zum Staatsgesetz erheben.
Smyrna, am letzten Tage des Mondes Saphar, 1715.