Fabeln
MeistgelesenVerlag: Bibliographisches Institut | Jahr: 1842
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Kapitel 9
Der Fuchs.
| Es fand der Fuchs ein Buch im Grase; – Ein Buch im Grase? sagest du? Wie kam das Buch in's Gras? Mein Freund, laß mich in Ruh', Ich sag', er fand es da, und fand es mit der Nase, So lautet, sag' ich, der Bericht, Und fand er es im Grase nicht, Wo hätt' er es denn sonst gefunden? Das Buch, in Leder eingebunden, Das Meister Fuchs im Grase fand, War, o beweinenswürd'ger Schade! Die weltberühmte Vulpiade, Sonst Reinecke der Fuchs genannt. Es steckte zwar der Fuchs die Nase tief hinein, Es schien, als hätt' er Lust, zu lesen; Allein, wie konnt' es möglich seyn? Er war auf Schulen nie gewesen. Der gute Schlucker suchte hier Ein Pflaster für den leeren Magen, Er suchte Fleisch – und fand Papier. Er wollte schon den Band zernagen, Als er im Buche selbst sein Bildniß hier und da Nicht ohne Schrecken glänzen sah. Sofort ward es von ihm durchbildert; Und seht! der Fuchs erstaunt. Er fand sich überall, Bei manchem Glücks- und Unglücksfall, Recht nach dem Leben abgeschildert. Vor andern rührt' ihn die Gefahr, Die ihn bis unter'n Galgen brachte, Und gar zum armen Sünder machte, Weil Alles so natürlich war. Man sprach das Urtheil über ihn, Der weiße Stab lag ihm zu Füßen; Der Galgen stand vor ihm, und schien Ihn schon als Hauswirth zu begrüßen; Der Kater Hinz hielt einen Strick, Und hieß ihn auf die Leiter treten, Der Bär hub an, mit ihm zu beten, So nahe schien allhier sein letzter Augenblick. Hier schimpft' und sprach der Hühnerdieb: Entweder mein Gedächtnißkasten Hat so viel Löcher als ein Sieb, Wo nicht, so lügen die Phantasten, Die dies gemalt, mit allem Fleiß; Denn nach der Bilder Sinn zu rathen, So stehn hier viel' von meinen Thaten, Wovon ich keine Sylbe weiß. |
* * *
| Was da der Fuchs sagt, würden wir Von hundert alten Helden hören, Wenn sie der Bücher, die wir hier Von ihnen lesen, kundig wären. |