Briefe – Band II
MeistgelesenKeine Beschreibung verfügbar
Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:
Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:
Wie verwende ich eine EPUB-Datei?EPUB herunterladen
„Briefe – Band II“ als E-Book für Ihren Reader.
Projekt Gutenberg unterstützen
Ihr Download startet.
Projekt Gutenberg lebt davon, dass Literatur frei zugänglich bleibt.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, diese Bibliothek zu erhalten und weiter auszubauen.
Im Buch suchen
288. An Goethe.
[etwa 20. October 1799]
Lieber Sohn!
Die Nachricht die ich dir jetzt schreibe – wird dir unerwartet und traurig seyn. Schlosser ist nicht mehr! Eine Lungenentzündung entriß Ihn uns am 17 ten dießes – die paar Jahre in Eutin schienen auf seine Cörpperliche Umstände nicht gut gewürckt zu haben – als Er hinreißte sahe Er gut ja blühend aus – bey seiner Herkunft vor 11 Monathen kante mann Ihn beynahe nicht mehr – Er war eingefallen – alles – Zähne – Farbe alles war weg – und so mager daß alle die Ihn sahen – über die große Veränderung erstaunten. Seine Lunge zeigte sich sogleich als den schwächsten theil an Ihm – durch öfftere Catharrfieber u.d.g. Heut vor 14 tagen war Er in seinem vor gantz kurtzem erkauften Garten. Er steckte Zwieblen – pflantzen u.s.w. Er hörte schießen arbeitete aber imer fort – endlich kammen die Schüße näher – Er eilte fort – kam ans Eschenheimer thor – das war zu – die Brücke aufgezogen – die Frantzosen standen davor – ein Mann sagte Ihm wenn Er eilte so käme Er noch zum Neuen thor herein – nun strengte Er alle Kräf[t]e an – kam auch glücklich noch herein aber erhitzt und in Angst – Er ging zu seiner Schwägerin – die nicht wohl war, und fand da eine sehr heiße Stube – wo Er nathtürlich noch mehr erhitzt wurde – diesen Augenblick wurde Rathsitz angesagt – nun mußte Er in Römmer in die kalte große Raths stube – den 2 ten Tag darauf bekam Er Husten – Fieber und gleich röchlen auf der Brust – Er wolte keinen Artz – endlich kam einer der fand Ihn tödtlich kranck – mann nahm noch einen – der erklährte auch daß es sehr gefährlich wäre – Sie hatten dißmahl recht – den Er starb. Die gute Schlossern – und Ihre zwey Liebe Kinder Laßen dich hertzlich grüßen – daß Sie dir nicht selbst schrieben wirst du leicht verzeihen – Sie bitten um die Fortdauer deiner Freundschaft – auch ersuchen Sie dich es Herder – Wieland – und wer Ihn etwa sonst gekandt hat bekandt zu machen. Grüße den Lieben Augst, und sage Ihm – daß sein Oberrock u Westgen nicht vergeßen seye – daß es die andre Woche soll gekauft und Ihm zugeschickt werden – denn die Großmutter wäre jetzt den gantzen Tag bey Schlossers – und das wäre die Ursach, daß es noch nicht bey der Hand seye. Mama la Roche ist gantz entzückt über die gütige Aufnahme in deinem Hauße – Sie hat mir darüber einen gar lieben Brief geschrieben – Gott erhalte dich das ist mein Morgen und Abend Gebet – Grüße meine Liebe Tochter! Laßt bald wieder etwas von Euch hören Ihr seyd ja überzeugt – daß das Leben und Wonne gibt
Eurer treuen Mutter Goethe.
N. S. Dein Looß hat 30 f gewonnen – die wollen wir dann wieder anwenden die neue Nummer ist 718 den 5 ten November wird die erste Claße gezogen.