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Gedichte

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von Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

Verlag: J. G. Cotta'scher Verlag | Jahr: 1859

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Kapitel 102

In das Stammbuch eines Freundes.

Daß Dir zum Ernste des Lebens die Lust an den Spielen der Musen
Freundliche Götter gewährt, Schönes dem Guten gesellt:
Nicht die schlechteste Gabe der Himmlischen ist's, und Du selber
Freue Dich deß, in der Brust blüht Dir ein ewiger Lenz!
Früchte des Herbstes gewinnt auch ein Anderer; Fülle der Aehren
Wogt ihm entgegen, der Wein quillt ihm vom Hügel herab.
Doch nie sah er die Rosen des Mai's, nie hört er aus Waldnacht
Flötender Nachtigall wonnige Brautmelodie!
Sommer entflieht ihm und Herbst, es kündet den Winter der Eishauch,
Hin ist das Jahr und er hat – ach! nicht den Frühling geschaut!