Fabeln von Helmut Wördemann
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Der blühende Teich
Es war einmal ein Teich, der war voller schlanker und bunter Fische. Auf seiner Oberfläche blühten duftende Seerosen und viele andere farbenfrohe Blumen. Ihn umgab eine Wiese mit saftigen, lebensfrohen Gräsern, die sich wie Diener ihrer Blumen im Wind neigten.
Der Teich aber bestand aus Tränen, und den Himmel sah er nur, wenn die Pflanzen auseinandertrieben und ihm eine Lücke ließen, sich zu spiegeln.
Täglich kam ein junges Mädchen, setzte sich ins Ufermoos und genoß den lieblichen Anblick. Eines Tages aber rutschte es ab und stürzte in das Tränenwasser. Da wurde ihr ganzer Körper verätzt. Zwar heilte das Leben ihre Wunden, aber es blieben Narben zurück wie ganz feine Fältchen
»Sie ist reif geworden,« sagten die Männer, und einer nahm sie zur Ehefrau.
Der Teich aber blieb fortan ganz alleine. Seine Pflanzen verfaulten, und die Fische starben. Bald lag er blank unter der Sonne. Sie verdunstete das Wasser, um ihn in den Himmel aufzunehmen. Das Tränensalz aber blieb auf der Erde zurück.