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Hans Leifhelm: Hahnenschrei

von Hans Leifhelm

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt | Jahr: 1926

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Kapitel 19

Nacht in den Alpen

Silberwolken schwingen zart
Ihren Reigen durch den Abend,
Schattenpferde, lautlos trabend,
Heben an die nächtige Fahrt,
Gleiten weithin an den Hängen,
Wehen durch die Fichtenkronen –
Ferne rauscht es von Gesängen,
Wo die Wassergeister wohnen.

Im Gebirge sind erwacht
Dunkle Stimmen aus den Steinen,
Die sich fern und nah vereinen,
Singend durch die Sommernacht.
Und die Wälder stehen lauschend,
Wenn die Tiefen sich verkünden,
Wenn die wilden Wasser rauschend
Strömen aus den Felsengründen.

Namenloser Nachtgesang,
Endlos durch die Täler schallend,
Von den Wänden widerhallend,
Erdgebundner Stimmen Klang.
Brandend schwillt es zu den Firnen –
Heute wie am ersten Tage
Braust empor zu den Gestirnen
Des Gebirges dunkle Sage.