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Die nicht lieben dürfen

von Hans-Erich Tzschirner

Verlag: Wilhelm Borngräber Verlag | Jahr: 1913

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Kapitel 2

Stille Widmung ...

Aus aller Ferne traf dein Blick, du liebe Frau,
mehr als dein Wort die Tiefe meiner Frage
und aus dem Fehlen einer lauten Klage
erkannte ich, was in dir war, genau,

erkannte, was du suchtest, was dich führte,
was weit aus dem Gesichtsfeld deines Kreises
in deinem Herzen wie ein fernes, leises
Geläut den Pulsschlag deiner Seele spürte,

was wie ein Unterton des andern Lebens
allein für dich erklang, was niemand störte,
was deinem Manne, deinen Kindern nicht gehörte
und einsam war, verschüchtert und vergebens ...

In Sonne lebtest du, in Heiterkeit und Spiel,
nichts, was vergangen, sehntest du zurück,
und doch, in deinem tönend lauten Glück
lag eine stumme Sehnsucht, die mir nicht gefiel ...

die suchend irrte nach dem Gott, der stark
dir deiner Mädchenträume Tränen stillte,
der deinen Glauben mit Verheißung füllte ...

bis sich in einer fremden, rauhen Hand
voll Frost und Furcht, zart, scheu und unerkannt
das Innige in dir ganz still und tief verbarg ...

Rom den 20. April 1913
Hans-Erich Tzschirner