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Gottlieb Wilhelm Rabeners Satiren

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von Gottlieb Wilhelm Rabener

Verlag: Verlag der Dyckischen Buchhandlung | Jahr: 1764

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Kapitel 124

Kapitel 124

Vetter,

Wie sehr freue ich mich über Eure Unruhe! Noch seyd Ihr nicht ganz verloren. Ihr würdet weniger fühlen, wenn Ihr verstockt wäret. Gebe doch der Himmel, daß Eure Reue nicht zu spät sey! Der Augenblick wird es entscheiden, da ich Briefe von unserm Vater bekomme. Bis ich diese habe, kann ich Euch unmöglich sprechen. Gebt Euch keine vergebne Mühe. Weder Euch, noch sonst einen Menschen lasse ich vor mich. Meine Bedienten wissen die Ursache nicht. Traut mir die Ueberlegung zu, daß ich ihnen eine Sache nicht sagen werde, die ich vor meiner vertrautesten Freundinn geheim halten muß. Auf den Abend erwarte ich Briefe mit der Post. Ihr sollt den Augenblick Nachricht davon haben. Gott lasse sie vergnügt lauten! Wie sehr werde ich mich erfreuen, wenn meine Sorge vergebens gewesen ist, und wenn ich keine Ursache behalte, mich zu schämen, daß ich Euch so aufrichtig geliebt habe.